
Jahrgang 1952
Frankreich·Bordeaux·Saint-Emilion Grand Cru
90
In deiner Sammlung? Schon verkostet? Passt er zu dir? — Dein Bezug zu diesem Wein erscheint hier, sobald du angemeldet bist.
Anmelden — du kommst direkt hierher zurück1952 begünstigte in Saint-Émilion das Rechte Ufer: Pomerol und Saint-Émilion konnten vor den sintflutartigen Regenfällen zur Erntezeit einbringen, während das Linke Ufer vielfach zu früh und unreif lesen musste. Der Wein zeigt sich heute deutlich auf der sekundären Seite seines Reifebogens: Tabak, rauchige Glutnoten, verbranntes Laub und feuchte Erde treffen auf die letzten Reste roter Frucht. Am Gaumen ist er leicht, sauber, weich und würzig mit heller Frische – ein Wein, der nicht mehr auf weitere Reife angelegt ist, sondern als geschichtliches Zeitzeugnis Freude bereitet. Er sollte nun zeitnah getrunken werden.
Bordeaux 1952
Ein warmer, trockener Sommer, dann Kälte und Regen mitten in die Lese. 1952 kippte entlang der Rebsorte: Das rechte Ufer war mit dem früheren Merlot durch, das Médoc musste unreif pflücken — Pomerol und Saint-Émilion sind hier die klar besseren Adressen.
Am 17. November 1705 heiratete Louis Malet de Roquefort Isabeau de Bonneau, Tochter des Saint-Émilion-Bürgermeisters und Gaffelière-Besitzers Hélie de Bonneau — seither führt die Familie Malet Roquefort das Gut, wie es die eigene Chronik des Hauses festhält. Der Name geht auf das 11. Jahrhundert zurück: Aussätzige, «Gaffets» genannt nach den Gehstöcken («Gaffes»), die sie brauchten, fanden hier ausserhalb der Stadtmauern Zuflucht in einem Leprosenhaus, auf dessen Grundmauern das heutige Château steht. 1969 kamen im Weinberg die Mosaike einer gallo-römischen Villa zum Vorschein, die Rebbau auf diesem Boden bis ins 4. Jahrhundert zurückverfolgen lassen — Spuren, die manche mit dem Landsitz des Dichterkonsuls Ausonius in Verbindung bringen, dem Namensgeber des benachbarten Château Ausone. Das Gut liegt im «goldenen Dreieck» zwischen den Hügeln von Pavie und Ausone, auf Kalk- und Lehmböden, die einem von Merlot geprägten Verschnitt mit Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon Struktur geben. 1959 kam Léo de Malet Roquefort zu seiner ersten Ernte nach La Gaffelière, 2011 holte er seinen Sohn Alexandre dazu; nach rund 15-jähriger Neuausrichtung führt Alexandre das Gut heute zusammen mit seinen Geschwistern Bérangère und Guillaume als Mit-Eigentümern. Im Juni 2022 zog sich das Gut — wie Angélus, Cheval Blanc und Ausone — aus der laufenden Saint-Émilion-Klassifikation zurück; seither trägt das Etikett nur noch die Appellation Saint-Émilion Grand Cru, ohne die zuvor geführte Einstufung Premier Grand Cru Classé B.