Jahrgang 1968 · Cabernet Franc, Merlot
Frankreich·Bordeaux·Saint-Emilion Grand Cru
In deiner Sammlung? Schon verkostet? Passt er zu dir? — Dein Bezug zu diesem Wein erscheint hier, sobald du angemeldet bist.
Anmelden — du kommst direkt hierher zurück1968 war ein nasses, windiges und kaltes Jahr, in dem der Weinberg nie zur Ruhe kam. Von Mai bis September lagen die Temperaturen deutlich unter dem Mittel, und zur Lese vom 1. bis 12. Oktober waren die Böden fast wassergesättigt — im Bordelais eine Seltenheit. Der Ertrag lag bei 25,5 Hektolitern pro Hektar, der Alkohol bei 11,8 Volumenprozent. Das Gut hat den Wein zurückgestuft und als einfachen Saint-Émilion abgefüllt. Die Nase bleibt schlicht: Schwarztee, Heu und Tabak, dahinter rote Frucht und vor allem Himbeere. Am Gaumen fehlen Dichte und Tiefe, der Wein endet früh. Er ist heute vor allem ein Zeitdokument.
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Intensität mittel – · Abgang mittel – · Komplexität mittel – · Balance mittel
„Ein grosses, bauchiges Bordeauxglas gibt dem gereiften Wein Raum.“
Bordeaux 1968
Der nasseste Jahrgang seit 1951. Ein rekordkühler, nasser August liess die Trauben aufquellen statt reifen, und Sauternes fiel ganz aus, weil die Fäule vor der Reife kam. Die Rotweine sind heute praktisch nicht mehr trinkbar.
Château Cheval Blanc liegt im Nordwesten von Saint-Émilion, unmittelbar an der Grenze zu Pomerol, und sitzt anders als die meisten bekannten Güter der Appellation nicht auf der Kalkplatte, sondern auf nicht kalkhaltigen Schwemmböden, wie sie auch die grossen Pomerol-Lagen tragen. Die eigentliche Geschichte des Gutes beginnt 1832, als Jean-Jacques Ducasse, Präsident des Gerichts von Libourne, das Kernstück des Landes kaufte; in den zwei Jahrzehnten danach kamen weitere Parzellen aus dem viel grösseren Figeac hinzu, und ab 1852 wurde der Wein erstmals unter eigenem Namen verkauft. Der Boden ist ein Mosaik aus Kies, Lehm und Sand, das sich über mehr als fünfzig Parzellen verteilt; Kies und Lehm liegen dabei in annähernd gleichen Anteilen nebeneinander, was in der Gegend eine Ausnahme ist. Ungewöhnlich für die rechte Seite von Bordeaux ist auch der Rebsatz: Hauptsorte ist Cabernet Franc mit gut der Hälfte der Fläche, dazu kommen Merlot und ein kleiner Anteil Cabernet Sauvignon. Gelegt hat diese Grundlage Jean Laussac-Fourcaud, der ab Mitte der 1860er-Jahre je zur Hälfte mit Merlot und Cabernet Franc neu bepflanzte, die Arbeit 1871 abschloss und die Parzellen zugleich mit einem Netz gemauerter Drainagen entwässerte; bereits 1911 lag der Cabernet-Franc-Anteil bei annähernd fünfzig Prozent. Mit der ersten Klassifikation von Saint-Émilion in den Fünfzigerjahren erhielt das Gut die höchste Stufe, Premier Grand Cru Classé A, und behielt sie über jede Revision hinweg. Im Juli 2021 zog es sich aus der Klassifikation zurück, weil die Bewertungskriterien nach Darstellung des Gutes zu weit von Terroir, Rebbau und Alterungsfähigkeit abgerückt waren; ab dem Jahrgang 2022 steht die Stufe deshalb nicht mehr auf dem Etikett. Seit Herbst 1998 gehört Cheval Blanc Bernard Arnault und Baron Albert Frère, die Pierre Lurton mit der Leitung betrauten und die Anlagen erneuern liessen. Im Juni 2011 wurde der von Christian de Portzamparc entworfene Keller eingeweiht: zwei weisse Betonwellen unter einem bepflanzten Hügel, darin 67 Betontanks in vierzehn Grössen zwischen 12 und 113 Hektolitern, von denen jeder in einem Jahrgang genau einer Parzelle vorbehalten bleibt, darunter der Fasskeller bei konstant 14 Grad. Ausgebaut wird sechzehn bis achtzehn Monate im Barrique, wobei die Fässer jedes Jahr ersetzt werden und mit sechs Küfereien gearbeitet wird, damit kein Holzton den Wein überdeckt. Den Zweitwein Le Petit Cheval gibt es seit dem Jahrgang 1988; er stammt aus derselben Fläche und wird beim Verschnitt ausgelesen. 2016 stellte das Gut zudem seinen ersten Weisswein vor, den Petit Cheval Blanc des Jahrgangs 2014, gewachsen auf Parzellen des 2006 zugekauften La Tour du Pin jenseits der Strasse. Legendären Ruf hat der 1947er, der bis heute als eine der grossen Flaschen der Bordeaux-Geschichte gilt; das Gut selbst zählt ihn neben 1961, 1964, 1982, 1990, 2009 und 2015 zu seinen aussergewöhnlichen Jahrgängen. Der Stil zielt nicht auf Kraft allein, sondern auf Frische, Feinheit, Länge und Gleichgewicht, und die Weine sind jung ebenso zugänglich wie nach Jahrzehnten.