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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1968

Bordeaux · 1968 · Stand 03.08.2026

Schwieriger Jahrgang60/100

Der nasseste Jahrgang seit 1951. Ein rekordkühler, nasser August liess die Trauben aufquellen statt reifen, und Sauternes fiel ganz aus, weil die Fäule vor der Reife kam. Die Rotweine sind heute praktisch nicht mehr trinkbar.

Das Jahr

1968 ist ein Wasserjahrgang. Der August ging als einer der kältesten und nassesten Monate in die Aufzeichnungen ein, und der September brachte weiteren Regen. Über den ganzen Vegetationszyklus gerechnet war es das nasseste Jahr seit 1951. Der Regen blähte die Beeren auf, statt sie zu konzentrieren, und die volle Reife blieb ausser Reichweite. Damit gehört 1968 zu den schwächsten Jahrgängen eines Jahrzehnts, das ohnehin nicht arm an schwierigen Jahren war.

Die Ernte

Gelesen wurde ab der dritten Septemberwoche, und wenigstens das Wetter während der Lese war brauchbar. Das half nur wenig, denn was in die Bottiche kam, war wasserreich und unreif. Der frühe Lesebeginn war keine Reifeentscheidung, sondern Notwehr gegen die Fäulnis: Länger draussen zu bleiben hätte das Lesegut nicht besser, sondern nur kränker gemacht.

Die Weine

Rot wie weiss blieb der Jahrgang unter dem, was Bordeaux kann. Den Rotweinen fehlen Farbe, Substanz und Mitte, und verbreitet steht ein Fäulniston im Wein, der sich mit der Reife nicht auswächst. Am besten hielten sich die roten Weine aus Graves: etwas fülliger und — was mehr zählt — ohne diesen Ton. Eine belastbare Ufer-Geschichte gibt der Jahrgang darüber hinaus nicht her; der Regen war zu allgemein.

Sauternes fiel vollständig aus, und zwar aus einem präzisen Grund: Die Fäule setzte sich an, bevor die Beeren reif waren. Was dann entsteht, ist keine Edelfäule, sondern Verderb.

Heute im Glas

Vom Jahrgang ist nichts zu erwarten. Die Rotweine waren schon jung dünn und sind heute über dem Zenit; die meisten sind nicht mehr trinkbar. Auch die Weissweine sind kein Ausweg, trocken so wenig wie edelsüss: Der Jahrgang hat in keiner Farbe eine Reserve gebildet. 1968 ist ein Jahr, das man in einer Sammlung als Lücke akzeptiert. Wer dennoch eine Flasche öffnet, tut das aus Neugier und nicht in Erwartung eines Weins. Einzelne, sehr gut gelagerte Exemplare überraschen, aber sie sind Zufall und nicht Regel.

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