Jahrgang 1946 · Cabernet Franc, Merlot
Frankreich·Bordeaux·Saint-Emilion Grand Cru
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Anmelden — du kommst direkt hierher zurückFrühling und Frühsommer 1946 waren kalt, trüb und nass, was Fäulnis und Mehltau begünstigte; sogar Heuschrecken machten sich in den Reben zu schaffen. Erst der warme, trockene Juli, August und September retteten den Jahrgang, gelesen wurde noch im September. Der Wein ist für sein Alter überraschend jugendlich in der Farbe, mit schmalem ziegelrotem Rand. Die Nase ist unverkennbar: helle Kirsche, Erdbeere und ein Hauch Zeder, dazu eine feine steinige Note, die sich mit Luft entfaltet. Am Gaumen zeigt er feines Tannin, sehr gute Säure und erstaunliche Spannkraft. Gegen den Abgang wird er etwas schmaler und bekommt einen grünlich-kräutrigen Zug. Ein stiller, gut ausbalancierter Wein aus einem Jahr, das zwischen zwei berühmten Nachbarn vergessen ging.
Intensität mittel · Abgang mittel · Komplexität mittel · Balance mittel +
„Ein grosses, bauchiges Bordeauxglas gibt dem Duft Raum; der Wein braucht nach dem Öffnen etwas Zeit im Glas.“
Bordeaux 1946
Ein kalter, nasser Frühling mit Fäulnis, Mehltau und sogar einer Heuschreckenplage, danach ein warmer, trockener Sommer. 1946 blieb ein mittlerer Jahrgang: schmale, grünliche Weine, die zwischen 1945, 1947 und 1949 kaum Spuren hinterlassen haben.
Château Cheval Blanc liegt im Nordwesten von Saint-Émilion, unmittelbar an der Grenze zu Pomerol, und sitzt anders als die meisten bekannten Güter der Appellation nicht auf der Kalkplatte, sondern auf nicht kalkhaltigen Schwemmböden, wie sie auch die grossen Pomerol-Lagen tragen. Die eigentliche Geschichte des Gutes beginnt 1832, als Jean-Jacques Ducasse, Präsident des Gerichts von Libourne, das Kernstück des Landes kaufte; in den zwei Jahrzehnten danach kamen weitere Parzellen aus dem viel grösseren Figeac hinzu, und ab 1852 wurde der Wein erstmals unter eigenem Namen verkauft. Der Boden ist ein Mosaik aus Kies, Lehm und Sand, das sich über mehr als fünfzig Parzellen verteilt; Kies und Lehm liegen dabei in annähernd gleichen Anteilen nebeneinander, was in der Gegend eine Ausnahme ist. Ungewöhnlich für die rechte Seite von Bordeaux ist auch der Rebsatz: Hauptsorte ist Cabernet Franc mit gut der Hälfte der Fläche, dazu kommen Merlot und ein kleiner Anteil Cabernet Sauvignon. Gelegt hat diese Grundlage Jean Laussac-Fourcaud, der ab Mitte der 1860er-Jahre je zur Hälfte mit Merlot und Cabernet Franc neu bepflanzte, die Arbeit 1871 abschloss und die Parzellen zugleich mit einem Netz gemauerter Drainagen entwässerte; bereits 1911 lag der Cabernet-Franc-Anteil bei annähernd fünfzig Prozent. Mit der ersten Klassifikation von Saint-Émilion in den Fünfzigerjahren erhielt das Gut die höchste Stufe, Premier Grand Cru Classé A, und behielt sie über jede Revision hinweg. Im Juli 2021 zog es sich aus der Klassifikation zurück, weil die Bewertungskriterien nach Darstellung des Gutes zu weit von Terroir, Rebbau und Alterungsfähigkeit abgerückt waren; ab dem Jahrgang 2022 steht die Stufe deshalb nicht mehr auf dem Etikett. Seit Herbst 1998 gehört Cheval Blanc Bernard Arnault und Baron Albert Frère, die Pierre Lurton mit der Leitung betrauten und die Anlagen erneuern liessen. Im Juni 2011 wurde der von Christian de Portzamparc entworfene Keller eingeweiht: zwei weisse Betonwellen unter einem bepflanzten Hügel, darin 67 Betontanks in vierzehn Grössen zwischen 12 und 113 Hektolitern, von denen jeder in einem Jahrgang genau einer Parzelle vorbehalten bleibt, darunter der Fasskeller bei konstant 14 Grad. Ausgebaut wird sechzehn bis achtzehn Monate im Barrique, wobei die Fässer jedes Jahr ersetzt werden und mit sechs Küfereien gearbeitet wird, damit kein Holzton den Wein überdeckt. Den Zweitwein Le Petit Cheval gibt es seit dem Jahrgang 1988; er stammt aus derselben Fläche und wird beim Verschnitt ausgelesen. 2016 stellte das Gut zudem seinen ersten Weisswein vor, den Petit Cheval Blanc des Jahrgangs 2014, gewachsen auf Parzellen des 2006 zugekauften La Tour du Pin jenseits der Strasse. Legendären Ruf hat der 1947er, der bis heute als eine der grossen Flaschen der Bordeaux-Geschichte gilt; das Gut selbst zählt ihn neben 1961, 1964, 1982, 1990, 2009 und 2015 zu seinen aussergewöhnlichen Jahrgängen. Der Stil zielt nicht auf Kraft allein, sondern auf Frische, Feinheit, Länge und Gleichgewicht, und die Weine sind jung ebenso zugänglich wie nach Jahrzehnten.