
Jahrgang 2017
Frankreich·Bordeaux·Saint-Emilion Grand Cru
96
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Anmelden — du kommst direkt hierher zurückDer Frost von 2017 traf mehrere Güter der Familie hart - Moulin Saint Georges verlor rund 20 Prozent der Trauben, und in Simard sowie Haut-Simard konnte gar kein Wein abgefüllt werden. Ausone selbst blieb davon unberührt. Der Merlot wurde zwischen dem 23. und 25. September gelesen, der Cabernet Franc am 28. und 29. September, bei einem Ertrag von 35 Hektolitern pro Hektar. Die Assemblage aus 55 Prozent Cabernet Franc und 45 Prozent Merlot wird zu 100 Prozent in neuen Eichenfässern über 20 Monate ausgebaut, mit rund 30 Tagen Maischestandzeit inklusive einer Woche Kaltmazeration. Im Glas zeigen sich zerdrückte Erdbeeren, Cassis, Lakritze und Lavendel über einer mineralischen Note, am Gaumen ist der Wein füllig, präzise und von feinen Tanninen getragen, mit einem sehr langen, mineralischen Abgang. Der Wein braucht noch mehrere Jahre, bis er seine ganze Klasse zeigt.
ausgeprägt · langer Abgang · komplex · Balance mittel +
Bordeaux 2017
Das Jahr des Frosts: eine Aprilnacht kostete die Region gut vierzig Prozent ihrer Ernte, sehr ungleich verteilt. Wo die Reben verschont blieben, entstanden mittelgewichtige, frische Weine mit weichem Tannin — im nördlichen Médoc am gleichmässigsten, weiter südlich und am rechten Ufer uneinheitlich.
Château Ausone liegt am Rand des Dorfes Saint-Émilion auf dem Flurstück Roc Blancan, der «weissen Felsen», und trägt den Namen des lateinischen Dichters Decimus Magnus Ausonius, der 310 in Bordeaux geboren wurde und als einer der ersten die Weine seiner Heimat besang. Ob das Gut wirklich auf seinem Landsitz steht, lässt sich nicht beweisen; im unteren Teil des Anwesens liegen jedoch die Überreste einer römischen Villa, und Mosaiken nennen den Ort. Unter dem Château zieht sich ein Labyrinth aus Galerien hin: sieben Jahrhunderte lang wurde hier Kalkstein gebrochen, aus dem ein guter Teil des alten Bordeaux gebaut ist. Später zogen ganze Familien in die verlassenen Steinbrüche ein. Mitten in den Parzellen steht bis heute eine kleine romanische Kapelle, unter ihr eine unterirdische Rotunde mit einem Fresko des Jüngsten Gerichts. Der Weinberg misst nur sieben Hektar. Er liegt in kleinen, von Mauern gefassten Terrassen an einem Hang von fünfzehn bis zwanzig Prozent Neigung, geschützt vor Wind, mit Ausrichtung nach Ost-Südost und in einem natürlichen Amphitheater, dessen Plateau bis auf 85 Meter steigt. Oben wurzeln die Reben im Sternchen-Kalk, am Hang im kalkhaltigen Lehm, der in trockenen Jahren Wasser hält. Die Nähe von Dordogne und Isle mildert das Klima zusätzlich. Gepflanzt sind vor allem Cabernet Franc und Merlot; die Reben sind im Durchschnitt fünfzig Jahre alt, einzelne Cabernet-Franc-Stöcke stehen seit 1906 und damit über hundert Jahre. Die Pflanzdichte reicht von 6500 bis 12 600 Stöcken je Hektar, die Erträge liegen im Schnitt bei rund 33 Hektolitern, die Ernte bei etwa 1500 Kisten. Gearbeitet wird zwischen biologischer und biodynamischer Praxis, mit Hecken, Obstbäumen und Kräutern zwischen den Reben und mit Aufgüssen aus Brennnessel, Weide und Baldrian. Das Gut hat in seiner ganzen Geschichte nur drei Familien gehört: den Lescours vom 13. bis ins 16. Jahrhundert, danach Jacques de Lescure und seinen Erben, und seit dem Ende des 17. Jahrhunderts den Familien Chatonnet-Cantenat und Dubois-Challon-Vauthier. Die Vauthiers wachen seit 1690 über den Weinberg. Alain Vauthier, seit 1976 im Keller und ab Ende der 1990er-Jahre allein verantwortlich, machte aus dem Gut wieder das, was ihm sein Terroir zutraut: dichtere Pflanzung, neue Drainage, wiederaufgebaute Terrassen und Stützmauern, eine strengere Auslese. Heute macht er den Wein mit seiner älteren Tochter Pauline, der elften Winzergeneration; die Renovation von Château und Kapelle wurde 2017 abgeschlossen. Im Keller folgt einer kalten Maischestandzeit die Gärung in traditionellen Holzbottichen von 54 Hektolitern; seit 2009 nehmen kleine, gekühlte Stahltanks das Lesegut parzellenweise auf, bis ein Bottich voll ist. Die malolaktische Gärung läuft seit dem Jahrgang 1995 im Fass, und der erste Wein reift bis zu 24 Monate in neuen französischen Barriques. Seit 1995 gibt es einen zweiten Wein, die Chapelle d'Ausone, aus den jüngeren Reben. Im Juli 2021 gab das Gut zusammen mit Cheval Blanc bekannt, sich nicht mehr an der Klassifikation von Saint-Émilion zu beteiligen; ab dem Jahrgang 2022 steht auf dem Etikett keine Stufe mehr. Der Stil ist unverwechselbar: die Mineralität des Kalks, eine sehr reine Frucht, viel Tannin, das aber reif ist, und ein Bau, der auf Jahrzehnte angelegt ist. Ausone braucht Zeit — in guten Jahren fünfzehn bis zwanzig Jahre, und er trinkt sich am besten zwischen zwanzig und fünfzig Jahren nach der Ernte.