
Jahrgang 2012
Frankreich·Bordeaux·Saint-Emilion Grand Cru
95
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Anmelden — du kommst direkt hierher zurückDie Merlot-Trauben wurden am 9., 11. und 12. Oktober gelesen, der Cabernet Franc folgte am 13., 15. und 17. Oktober, bei einem Ertrag von nur 32 Hektoliter pro Hektar. Die Assemblage besteht zu 55 Prozent aus Cabernet Franc und zu 45 Prozent aus Merlot, ausgebaut zu 85 Prozent in neuen französischen Eichenfässern über 18 Monate. Im Glas zeigen sich florale Töne, Lakritze und dunkle Kirschen, unterlegt von einer mineralischen Note aus Stein und Kalk. Am Gaumen ist der Wein füllig, geschliffen und dicht, mit feinen Tanninen und einem sehr langen, konzentrierten Abgang. Schon heute lässt sich seine grosse Klasse erahnen, doch sein volles Potenzial dürfte er erst nach vielen weiteren Jahren in der Flasche zeigen.
ausgeprägt · langer Abgang · Komplexität mittel + · harmonisch
Bordeaux 2012
Ein spätes, zerrissenes Jahr: verzögerte Blüte, zwei Monate Trockenheit, dann Regen mitten in die Lese. Der Merlot wurde reif, der Cabernet des Médoc nicht ganz — klassisch gebaute Weine mit moderatem Alkohol und kleiner Menge.
Château Ausone liegt am Rand des Dorfes Saint-Émilion auf dem Flurstück Roc Blancan, der «weissen Felsen», und trägt den Namen des lateinischen Dichters Decimus Magnus Ausonius, der 310 in Bordeaux geboren wurde und als einer der ersten die Weine seiner Heimat besang. Ob das Gut wirklich auf seinem Landsitz steht, lässt sich nicht beweisen; im unteren Teil des Anwesens liegen jedoch die Überreste einer römischen Villa, und Mosaiken nennen den Ort. Unter dem Château zieht sich ein Labyrinth aus Galerien hin: sieben Jahrhunderte lang wurde hier Kalkstein gebrochen, aus dem ein guter Teil des alten Bordeaux gebaut ist. Später zogen ganze Familien in die verlassenen Steinbrüche ein. Mitten in den Parzellen steht bis heute eine kleine romanische Kapelle, unter ihr eine unterirdische Rotunde mit einem Fresko des Jüngsten Gerichts. Der Weinberg misst nur sieben Hektar. Er liegt in kleinen, von Mauern gefassten Terrassen an einem Hang von fünfzehn bis zwanzig Prozent Neigung, geschützt vor Wind, mit Ausrichtung nach Ost-Südost und in einem natürlichen Amphitheater, dessen Plateau bis auf 85 Meter steigt. Oben wurzeln die Reben im Sternchen-Kalk, am Hang im kalkhaltigen Lehm, der in trockenen Jahren Wasser hält. Die Nähe von Dordogne und Isle mildert das Klima zusätzlich. Gepflanzt sind vor allem Cabernet Franc und Merlot; die Reben sind im Durchschnitt fünfzig Jahre alt, einzelne Cabernet-Franc-Stöcke stehen seit 1906 und damit über hundert Jahre. Die Pflanzdichte reicht von 6500 bis 12 600 Stöcken je Hektar, die Erträge liegen im Schnitt bei rund 33 Hektolitern, die Ernte bei etwa 1500 Kisten. Gearbeitet wird zwischen biologischer und biodynamischer Praxis, mit Hecken, Obstbäumen und Kräutern zwischen den Reben und mit Aufgüssen aus Brennnessel, Weide und Baldrian. Das Gut hat in seiner ganzen Geschichte nur drei Familien gehört: den Lescours vom 13. bis ins 16. Jahrhundert, danach Jacques de Lescure und seinen Erben, und seit dem Ende des 17. Jahrhunderts den Familien Chatonnet-Cantenat und Dubois-Challon-Vauthier. Die Vauthiers wachen seit 1690 über den Weinberg. Alain Vauthier, seit 1976 im Keller und ab Ende der 1990er-Jahre allein verantwortlich, machte aus dem Gut wieder das, was ihm sein Terroir zutraut: dichtere Pflanzung, neue Drainage, wiederaufgebaute Terrassen und Stützmauern, eine strengere Auslese. Heute macht er den Wein mit seiner älteren Tochter Pauline, der elften Winzergeneration; die Renovation von Château und Kapelle wurde 2017 abgeschlossen. Im Keller folgt einer kalten Maischestandzeit die Gärung in traditionellen Holzbottichen von 54 Hektolitern; seit 2009 nehmen kleine, gekühlte Stahltanks das Lesegut parzellenweise auf, bis ein Bottich voll ist. Die malolaktische Gärung läuft seit dem Jahrgang 1995 im Fass, und der erste Wein reift bis zu 24 Monate in neuen französischen Barriques. Seit 1995 gibt es einen zweiten Wein, die Chapelle d'Ausone, aus den jüngeren Reben. Im Juli 2021 gab das Gut zusammen mit Cheval Blanc bekannt, sich nicht mehr an der Klassifikation von Saint-Émilion zu beteiligen; ab dem Jahrgang 2022 steht auf dem Etikett keine Stufe mehr. Der Stil ist unverwechselbar: die Mineralität des Kalks, eine sehr reine Frucht, viel Tannin, das aber reif ist, und ein Bau, der auf Jahrzehnte angelegt ist. Ausone braucht Zeit — in guten Jahren fünfzehn bis zwanzig Jahre, und er trinkt sich am besten zwischen zwanzig und fünfzig Jahren nach der Ernte.