Bordeaux 2017
Bordeaux · 2017 · Stand 03.08.2026
92/100
Das Jahr des Frosts: eine Aprilnacht kostete die Region gut vierzig Prozent ihrer Ernte, sehr ungleich verteilt. Wo die Reben verschont blieben, entstanden mittelgewichtige, frische Weine mit weichem Tannin — im nördlichen Médoc am gleichmässigsten, weiter südlich und am rechten Ufer uneinheitlich.
Das Jahr
Der Winter war kühl und regenarm, und weil es im Februar und März warm wurde, trieben die Reben Ende März gut eine Woche zu früh aus. Dann kam der Frost. In den frühen Stunden des 27. April fiel die Temperatur regionweit auf minus drei bis minus fünf Grad und blieb zwei bis drei Nächte tief. Es war der schwerste Frühjahrsfrost seit 1991, und er kam vom Boden herauf: die Rebberge unmittelbar am Ufer der Gironde blieben praktisch unberührt, während tiefer liegende Parzellen im Binnenland ihren ganzen Jahrgang verloren. Am härtesten traf es Saint-Émilion und seine Satelliten, die Graves und Pessac-Léognan, wo einzelne Güter hundert Prozent einbüssten, dazu Teile von Margaux, Moulis und Listrac. In Pomerol blieben von achthundert Hektaren zweihundert unbeschädigt, dreihundert verloren alles, dreihundert etwa die Hälfte.
Der Rest des Jahres verlief ruhig. Die Blüte in der zweiten Maihälfte kam zehn Tage früher als üblich und verlief rasch und gleichmässig. Der Juni brachte Hitze von über vierzig Grad und danach schweren Regen; der Juli blieb wechselhaft und oft bedeckt, der August trocken und warm. Die erste Septemberhälfte war nass und kühl — die kritische Phase des Jahres —, ab dem 16. September kehrten Sonne und Trockenheit zurück.
Die Ernte
Ein frühes Jahr, eine frühe Lese. Die Weissweintrauben kamen im August herein, der Merlot ab dem 8. September; die meisten Betriebe waren Ende September durch, einige gingen bis in die ersten Oktobertage. In Pauillac wurde vom 7. bis zum 29. September gelesen. Die Trauben, die nach dem Frost neu austrieben, reiften kaum aus und wurden fast überall verworfen. Die Menge fiel auf 350 Millionen Liter und 31 Hektoliter je Hektar — vierzig Prozent unter 2016 und rund ein Drittel unter dem Zehnjahresmittel.
Die Weine
2017 ist kein Appellations-, sondern ein Lagenjahr. Wo der Frost fehlte, entstanden mittelgewichtige, klar gezeichnete Weine: rote Frucht, weiches Tannin, moderater Alkohol, tragende Säure. Sie sind angenehm proportioniert, ohne die Dichte der Jahre davor. Entscheidend waren Auslese und ein sanfter Umgang im Keller; wer stark extrahierte, bekam trockene Tannine und einen kurzen Abgang.
Am gleichmässigsten gelang Pauillac, gefolgt von Saint-Julien und Saint-Estèphe, wo vor allem die Parzellen nahe der Gironde überzeugen. Je weiter südlich, desto uneinheitlicher wird das Bild. Am rechten Ufer standen das Kalkplateau von Saint-Émilion und das Plateau von Pomerol klar über den tieferen Lagen. Die trockenen Weissweine und die edelsüssen Weine gerieten sehr gut.
Heute im Glas
Nach neun Jahren steht der Jahrgang offen da. Das Tannin ist gelöst, die rote Frucht hat sich zu getrockneter Kirsche und Tabak verschoben, die Frische trägt. Die kräftigsten Flaschen aus Pauillac und Pomerol haben noch Reserve; die einfacheren Weine hatten von Anfang an mehr Klarheit als Substanz und sollten nicht mehr lange liegen.