Entdecken
Jahrgangsbericht

Bordeaux 2012

Bordeaux · 2012 · Stand 03.08.2026

Grosser Jahrgang90/100

Ein spätes, zerrissenes Jahr: verzögerte Blüte, zwei Monate Trockenheit, dann Regen mitten in die Lese. Der Merlot wurde reif, der Cabernet des Médoc nicht ganz — klassisch gebaute Weine mit moderatem Alkohol und kleiner Menge.

Das Jahr

2012 begann kalt und sehr trocken; der Februar war der kälteste seit fünfzig Jahren. Der April brachte Kühle und viel Regen und in dessen Folge Mehltau, der behandelt werden musste. Mai und Juni blieben unentschieden. Die Blüte fiel spät und ungleich aus; das ergab kleine Trauben, deren Beeren zu verschiedenen Zeitpunkten reiften, und schob den ganzen Jahrgang um zwei bis drei Wochen nach hinten. Eine späte Blüte ist selten ein gutes Zeichen.

Vom 20. Juli bis zum 20. September herrschte dann aussergewöhnliche Trockenheit — der August war der fünfttrockenste in fünfzig Jahren, Spitzenwerte erreichten 42 Grad. Vor allem junge Reben stellten das Wachstum ein. Bis Ende September lag die Regenmenge in Pauillac 26 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Erst gegen Ende September kamen warme Tage, kühle Nächte und der dringend benötigte Regen, die die Reife wieder in Gang setzten.

Die Ernte

Einzelne Betriebe begannen Ende September mit Merlot von jungen Reben, die meisten um den 1. Oktober; in Pauillac wurde vom 1. bis zum 15. Oktober gelesen. Im Médoc hiess es warten, weil der Cabernet Sauvignon sich mit der Reife schwertat. Am 8. Oktober fiel dann in der ganzen Region viel Regen bei milden Temperaturen, und die Furcht vor Botrytis wog schwerer als die Hoffnung auf ein paar weitere Reifetage: ab da wurde gelesen, unabhängig vom Stand. Weil einzelne Beeren derselben Traube ungleich weit waren, wurde das Sortieren wichtiger als in anderen Jahren; optische Sortierer standen vielerorts im Einsatz. Die Menge blieb klein.

Die Weine

2012 ist klassisch im Wortsinn: mittleres Gewicht, moderater Alkohol, straffe Säure, dunkle statt überreifer Frucht. Die Weine haben Rahmen und Länge, aber nicht die Dichte der beiden Jahre davor.

Der Merlot gelang auf beiden Ufern, am überzeugendsten in Pomerol. In Saint-Émilion fällt das Bild ungleich aus, teils weil der Cabernet Franc nicht durchreifte, teils weil zu stark extrahiert wurde. Im Médoc erreichte der Cabernet Sauvignon die letzte phenolische Reife oft knapp nicht. Insgesamt liegt das rechte Ufer vorn, doch eindeutig ist das nicht: auch im Médoc stehen klar gezeichnete Weine, und der Abstand zwischen zwei Nachbarn ist in diesem Jahr grösser als der zwischen den Ufern. Die trockenen Weissweine gerieten gut, für Sauternes und Barsac war es ein schwieriges Jahr.

Heute im Glas

Nach vierzehn Jahren ist 2012 offen und trinkbereit. Das Tannin ist gelöst, die Säure hält den Wein aufrecht, das Aromenbild geht in Richtung Zedernholz, Tabak und Kirsche. Es ist ein Jahrgang für den Tisch, nicht für die lange Reserve. Die besten Weine aus Pomerol, Saint-Émilion und den Graves tragen noch einige Jahre, die übrigen sind jetzt an ihrem Punkt.

Aus diesem Jahrgang auf VINVO

Benachbarte Jahrgänge

Alle 81 Bordeaux-Jahrgänge

Kuratiert von VINVO.