Entdecken
Jahrgangsbericht

Bordeaux 2009

Bordeaux · 2009 · Stand 03.08.2026

Ausnahmejahrgang97/100

Ein Jahr mit fast idealem Verlauf: Rekordsonne, kühle Nächte, kerngesundes Lesegut. Die Weine sind reif, üppig und weich gebaut — grosse Qualität in Pauillac, Pomerol und den Graves, weniger gleichmässig in Saint-Émilion.

Das Jahr

Der Winter war kühler als gewohnt, aber aussergewöhnlich hell: bis in den März verzeichnete Pauillac über zweihundert Sonnenstunden mehr als im Dreissigjahresmittel. Der April fiel nass aus, der Mai brachte Gewitter und örtlich Hagel in Pessac-Léognan und am rechten Ufer. Danach setzte sich das Wetter fest. Die Blüte lief um den 5. Juni herum rasch und gleichmässig durch — ein frühes Zeichen für einen einheitlichen Ansatz.

Von Mitte Juni an war der Sommer trocken und sehr sonnig; der August lag rund ein Grad über dem Mittel. Die Reben standen unter Wasserstress, den nur einzelne Schauer milderten. Am Wochenende vom 18. bis 20. September fielen dreissig bis achtzig Millimeter, aber in kurzen, heftigen Güssen, die oberflächlich abliefen, statt die Beeren zu verwässern. Der September brachte dann das Muster, an dem dieser Jahrgang hängt: heisse Tage, kalte Nächte.

Die Ernte

Gelesen wurde ohne Druck. Ab dem 21. September waren die Bedingungen tadellos und blieben es; in Pauillac begann der Merlot am 23. September, die letzten Cabernets kamen am 6. Oktober herein. Der Oktober blieb warm, trocken und sonnig, mit kalten Morgen — jeder Betrieb konnte seinen eigenen Zeitpunkt wählen. Das Lesegut war sehr gesund, zuckerreich und farbtief.

Die Weine

2009 ist ein reifer, üppiger Jahrgang: runde, glyzerinreiche Weine mit süsser Frucht, weichem Tannin und breitem Körper. Frucht, Schalen, Kerne und Stiele erreichten in den besten Betrieben zugleich ihre Reife. Gleichmässig ist das Jahr trotzdem nicht. Wo die Ernte im richtigen Moment hereinkam, entstanden aussergewöhnliche Weine; wo zu lange gewartet wurde, fehlt die Säure und der Wein wirkt breit.

Auf dem linken Ufer gelang der Jahrgang durchgehend, mit Pauillac, Saint-Julien, Saint-Estèphe und den Graves an der Spitze, Margaux knapp dahinter. Am rechten Ufer gehört Pomerol zum Besten, was die Appellation in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Saint-Émilion zeigt die grössten Ausschläge — dort trennt sich Frische von blosser Fülle. Auch die edelsüssen Weine gerieten stark.

Heute im Glas

Der Jahrgang war früh zugänglich, weil das Tannin von Beginn an weich lag. Nach siebzehn Jahren zeigen die grossen Weine Kakao, Zedernholz und Tabak über dunkler Frucht und haben nichts von ihrer Fülle verloren; am Ende sind sie noch lange nicht. Weine ohne Säurerückgrat dagegen sind heute so gut, wie sie werden — sie gehören jetzt auf den Tisch.

Aus diesem Jahrgang auf VINVO

Benachbarte Jahrgänge

Alle 81 Bordeaux-Jahrgänge

Kuratiert von VINVO.