Entdecken
Jahrgangsbericht

Bordeaux 2008

Bordeaux · 2008 · Stand 03.08.2026

Grosser Jahrgang91/100

Ein kühler, nasser Sommer, den ein aussergewöhnlich langer, trockener Herbst noch rettete. Das Ergebnis sind mittelgewichtige, rotfruchtige Weine mit klassischen Proportionen — am rechten Ufer, vor allem in Pomerol, deutlich stärker als im Médoc.

Das Jahr

Der Winter blieb mild, danach kam die Region kaum in Gang. Am 7. April fiel die Temperatur in Pauillac auf etwa null Grad; in Barsac verloren einzelne Güter durch Frost gut die Hälfte ihres Ansatzes. Ein kühler, feuchter Mai zog die Blüte in die Länge und liess sie ungleich verlaufen. Mehltau und Fäulnis begleiteten das ganze Frühjahr; in Saint-Émilion und in den Côtes de Castillon richtete ein Hagelzug erhebliche Schäden an. Juni, Juli und August blieben feucht und kühl — sonnenarm allerdings nicht.

Bis Mitte September sah alles nach einem schwierigen Jahr aus. Dann drehte das Wetter: vom 14. September bis zum 20. Oktober blieb es trocken, mit warmen Tagen und kühlen Nächten. In diesen fünf Wochen holten die Trauben die fehlende Reife nach, und die Zuckerwerte stiegen noch deutlich.

Die Ernte

Wer warten konnte, wartete. In Pauillac wurde zwischen dem 2. und dem 15. Oktober gelesen, einzelne Betriebe in Saint-Émilion brachten ihre letzten Trauben erst in der ersten Novemberwoche ein. Die Hängezeit lag mit 135 bis 160 Tagen weit über den üblichen rund hundert Tagen. Die Menge blieb klein: Hagel, ungleicher Ansatz und strenge Auslese im Rebberg und am Sortiertisch drückten die Erträge.

Die Weine

2008 trägt die Handschrift eines kühlen Jahres. Die Weine sind mittelgewichtig und klar gezeichnet, sie enden auf roter Frucht statt auf dunkler Beere, Alkohol und Extrakt bleiben zurückhaltend, die Säure trägt.

Der Unterschied zwischen den Ufern ist deutlich. Pomerol ist die Appellation des Jahrgangs — dort profitierte der früher reifende Merlot am meisten von der langen Hängezeit. Saint-Émilion folgt mit Abstand und ungleichmässig, profitierte aber ebenfalls von der späten Reife. Im Médoc gelang Pauillac am besten, während Margaux und die Graves eine Stufe darunter bleiben. Bei den trockenen Weissweinen und den edelsüssen Weinen war es ein gutes Jahr.

Heute im Glas

Achtzehn Jahre haben diesem Jahrgang gutgetan. Das Tannin ist eingebunden, die Säure trägt weiter, und über der reifen Kirsche liegen Waldboden und ein Hauch Leder. Die dichtesten Flaschen aus Pomerol und Pauillac vertragen weitere Jahre ohne Mühe. Wer einen der leichteren Weine im Keller hat, öffnet ihn besser bald: Klarheit war immer die Stärke dieses Jahrgangs, Substanz nie.

Aus diesem Jahrgang auf VINVO

Benachbarte Jahrgänge

Alle 81 Bordeaux-Jahrgänge

Kuratiert von VINVO.