Entdecken
Jahrgangsbericht

Bordeaux 2010

Bordeaux · 2010 · Stand 03.08.2026

Ausnahmejahrgang97/100

Der trockenste Jahrgang seit 1949: kleine Beeren, viel Extrakt, tiefe pH-Werte. Klassisch gebaut, streng und sehr langlebig — von den grossen Jahren jener Reihe das geduldigste.

Das Jahr

Auf einen kalten Winter folgte ein Austrieb Mitte April, wenige Tage später als im Vorjahr. Der Merlot litt unter Verrieseln und Kleinbeerigkeit; das kostete Menge und brachte später Konzentration. Mai und Juni blieben kühl, der Juni zudem nass, und die Blüte verlief ungleich.

Von Juli an drehte das Wetter vollständig und blieb so: warme bis heisse Tage, kühle Nächte, kaum Regen. Im Juli fielen weniger als zwanzig Millimeter, viele Reben unterbrachen ihr Wachstum. 2010 war das trockenste Jahr seit 1949. Trockenheit allein macht keinen grossen Jahrgang; hier kamen zwei Dinge dazu. Die grosse Tag-Nacht-Spanne hielt die Säure hoch, und ein Regen zur richtigen Zeit Anfang September ermöglichte die letzte phenolische Reife. Hitzespitzen blieben aus, die Reife verlief langsam.

Die Ernte

In Pauillac wurde vom 28. September bis zum 13. Oktober unter ausgezeichneten Bedingungen gelesen. Die Beeren waren klein und von Natur aus konzentriert, der Saft dicht, farbtief und säurebetont. Etliche Betriebe standen vor einer heiklen Wahl: die Zuckerwerte stiegen schnell, die Gerbstoffwerte lagen so hoch wie selten — länger warten hiess mehr Alkohol, früher lesen hiess härteres Tannin. Auf dem linken Ufer wurde je nach Boden lange zugewartet.

Die Weine

2010 ist ein klassisch gebauter Jahrgang in moderner Ausführung: gross, tanninreich, strukturiert, auf Zeit angelegt. Die Weine tragen viel Extrakt und hohen Alkohol — bei Cabernet-dominierten Weinen 13,5 bis über 14,5 Volumenprozent, in Pomerol und Saint-Émilion bei einzelnen Weinen darüber — dazu tiefe pH-Werte, die dem Ganzen Zug geben. Wo mit leichter Hand gearbeitet wurde, entstanden Weine auf dem Niveau der grossen Vorgängerjahre; wo zu stark extrahiert wurde, wirkt das Tannin trocken.

Über die Region gerechnet liegt das linke Ufer knapp vorn, in der Spitze die Graves und Pauillac, danach Margaux. Saint-Émilion geriet frischer und reiner als im Vorjahr, Pomerol bleibt dagegen hinter seinem 2009 zurück. Die edelsüssen Weine waren ebenfalls erfolgreich.

Heute im Glas

Von den grossen Jahren dieser Reihe ist 2010 das langsamste. Nach sechzehn Jahren steht das Tannin noch deutlich im Wein, die Frucht liegt dahinter, die Weine wirken geschlossen. Die besten Flaschen brauchen weiter Zeit; ein Teil erreicht sein Fenster erst in den 2030er-Jahren. Wer jetzt öffnet, sollte lange dekantieren und sich nicht wundern, wenn der Wein erst am zweiten Tag antwortet.

Aus diesem Jahrgang auf VINVO

Benachbarte Jahrgänge

Alle 81 Bordeaux-Jahrgänge

Kuratiert von VINVO.