Entdecken
Jahrgangsbericht

Bordeaux 2021

Bordeaux · 2021 · Stand 03.08.2026

Klassischer Jahrgang88/100

Ein kühles, schwieriges Jahr: Frost Anfang April, Starkregen im Juni, Mehltau bis in den August und ein auffallend kühler Sommer. Nur ein warmer September und ein trockener Oktober retteten die Reife. Die Weine sind schlank, frisch und tief im Alkohol — und sehr ungleich.

Das Jahr

2021 war das kühle, schwierige Jahr in einer Reihe warmer. Nach nassem Dezember brachten Januar und Februar je rund hundert Millimeter Regen, März und April blieben trocken und schoben den Austrieb voran — genau in den Frost hinein. In der Nacht zum 7. April brannten in ganzen Landstrichen Kerzen zwischen den Reben. Getroffen wurden vor allem Barsac und Sauternes, die Graves und Teile des rechten Ufers; einzelne Parzellen verloren den Jahrgang vollständig.

Der Mai war kälter und nasser als üblich. Der Juni brachte zur Blüte hin freundliches Wetter, danach schwere Niederschläge — und damit Mehltau, der bis zum Ende der Reifefärbung anhielt. Juli und August blieben kühl, deutlich kühler als in den warmen Jahren davor, und der Farbumschlag zog sich durch den ganzen August. Erst die erste Septemberhälfte brachte einen warmen, trockenen Schub. Für den 2. und 3. Oktober waren schwere Regenfälle angekündigt; sie blieben aus. Wer trotz der Prognose wartete, gewann die entscheidenden Tage Reife.

Die Ernte

Die Weissweintrauben kamen im September unter guten Bedingungen herein, die rote Lese fand überwiegend in der ersten Oktoberhälfte statt; in Pauillac wurde vom 25. September bis zum 6. Oktober gelesen. Die Menge war klein: 377 Millionen Liter und 35 Hektoliter je Hektar, rund zweiundzwanzig Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Saint-Émilion und Pomerol blieben unter dreissig Hektolitern, und in Sauternes und Barsac lag der Schnitt unter fünf — ein Gut kam auf einen einzigen Hektoliter je Hektar.

Die Weine

Das gehört klar gesagt: 2021 ist bei Rot ein schwacher bis mittlerer Jahrgang, und er ist sehr ungleich. Die Weine sind frisch, salzig, rotfruchtig und tief im Alkohol, meist um dreizehn Prozent; einzelne Betriebe hoben ihn um ein halbes bis ein Prozent an. Der wiederkehrende Einwand betrifft die Mitte: der Auftakt ist oft gut, dann fällt der Wein ab. Dazu kommt ein trockenes, staubiges Tannin, wie man es aus kühlen Jahren früherer Jahrzehnte kennt.

Gerettet hat, wer Cabernet im Rebberg hatte. Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc bekamen die zusätzliche Hängezeit im Oktober; der Merlot, früher gelesen und anfälliger für Frost und Mehltau, litt am meisten. Die Médoc-Assemblagen tragen darum auffällig mehr Cabernet als üblich, und Petit Verdot half beim Gerüst. Gelungene Weine gibt es auf beiden Ufern — am rechten vor allem dort, wo Cabernet Franc im Wein steckt. Die trockenen Weissweine sind aussergewöhnlich, die edelsüssen sehr gut; nur gibt es von ihnen fast nichts.

Über kaum einen Jahrgang gehen die Meinungen so weit auseinander: die einen stellen 2021 nahe an die grossen Vorjahre, die anderen kaum über das Mittelmass. Bei diesem Jahrgang zählt darum der einzelne Wein, nicht das Jahr.

Heute im Glas

Nach fünf Jahren ist 2021 offen und trinkbereit. Die Weine haben kurze Fenster, und das ist keine Kritik, sondern ihre Anlage — sie waren von Anfang an für den frühen Genuss gemacht. Als leichter, kühler, frischer Bordeaux machen die gelungenen Flaschen jetzt Freude. Wer wartet, gewinnt bei den meisten nichts mehr.

Aus diesem Jahrgang auf VINVO

Benachbarte Jahrgänge

Alle 81 Bordeaux-Jahrgänge

Kuratiert von VINVO.