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Jahrgangsbericht

Bordeaux 2018

Bordeaux · 2018 · Stand 03.08.2026

Ausnahmejahrgang95/100

Ein Jahr in zwei Hälften: ein nasses, mehltaugeplagtes erstes Halbjahr, dann drei Monate Sonne und Trockenheit. Das Ergebnis sind sehr reife, dichte Weine mit hohem Alkohol und ebenso hoher Säure — und mit Erträgen, die von Gut zu Gut weiter auseinanderklaffen als in jedem anderen grossen Jahr.

Das Jahr

2018 zerfällt in zwei Hälften. Dezember und Januar brachten je 155 Millimeter Regen, weit über dem Mittel, der März war nass und kühl — die Rebberge gingen durchtränkt in die Saison. Ab Mitte April folgte der stärkste Mehltaudruck seit Jahrzehnten. Bis zu ein Drittel der Fläche war betroffen; ein oder zwei Tage zu spät behandelt, und ein Teil der Ernte war verloren. Dazu kam Hagel: Ende Mai von Pessac-Léognan über die Stadt bis in den südlichen Haut-Médoc und weiter nach Bourg und Blaye, dann noch einmal am 15. Juli in Sauternes und im südlichen Haut-Médoc.

Ab Anfang Juli drehte das Wetter vollständig. Drei Monate lang blieb es sonnig, warm und praktisch niederschlagsfrei; Juni, Juli, August und September lagen alle deutlich über den langjährigen Durchschnittstemperaturen, und die Wochen von Mitte Juli bis Mitte August waren die zweitwärmsten seit 1947 — nur 2003 war heisser. Anfang August stieg die Temperatur fünf Tage in Folge über fünfunddreissig Grad. Etwas Regen Anfang September, sehr ungleich verteilt, kam den Trauben genau richtig.

Die Ernte

Eine Lese ohne Druck. Der Sauvignon Blanc kam ab dem 21. August, die roten Trauben ab dem 10. September und bis in den späten Oktober; der Schwerpunkt lag in der zweiten Septemberhälfte und Anfang Oktober. In Pauillac wurde vom 10. September bis zum 3. Oktober gelesen. Fäulnis gab es nicht, jeder Betrieb konnte seinen Tag wählen.

Die Gesamtmenge lag mit knapp 500 Millionen Litern nahe dem Zehnjahresmittel — aber kein anderes grosses Jahr hat so ungleiche Erträge. In Pauillac lag der Schnitt bei 39 Hektolitern je Hektar, erlaubt waren 57; Nachbarn in derselben Gemeinde brachten 11 und 45 Hektoliter ein. Der Unterschied heisst Mehltau, und er traf biologisch und biodynamisch geführte Betriebe am härtesten.

Die Weine

2018 ist ein Jahrgang der Fülle. Die Weine sind fast undurchdringlich dunkel, dicht und opulent, mit dicken Beerenhäuten, viel Extrakt und hohem Alkohol — im Médoc um vierzehn Prozent, am rechten Ufer darüber. Was sie trägt, ist die ebenso hohe Säure: sie gibt der Wucht eine Kante und hält den Wein in Bewegung. Wer über das Ziel hinaus extrahierte, kippte ins Massige.

Am linken Ufer stehen das nördliche Médoc mit Saint-Estèphe, Pauillac und Saint-Julien an der Spitze, dazu das Plateau von Cantenac in Margaux und Teile von Pessac-Léognan. Am rechten Ufer gelang das Jahr auf dem Kalkplateau von Saint-Émilion, auf den Kiesen an der Grenze zu Pomerol und auf dem Pomerol-Plateau, insgesamt aber ungleicher; der spät reifende Cabernet Franc war dort der Schlüssel. Die trockenen Weissweine sind gut, die edelsüssen weich und ohne viel Botrytis.

Heute im Glas

Acht Jahre sind für diesen Jahrgang wenig. Die Frucht ist üppig und einladend, doch darunter liegt ein festes Gerüst, das sich noch nicht gelöst hat. Wer jetzt öffnet, bekommt Wucht und Aroma, aber nicht das Gleichgewicht, das noch kommt. Die besten Weine brauchen ein Jahrzehnt und tragen zwei bis drei. Die überextrahierten Flaschen des Jahrgangs werden nicht mehr besser.

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