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Jahrgangsbericht

Bordeaux 2016

Bordeaux · 2016 · Stand 03.08.2026

Ausnahmejahrgang97/100

Zwei Halbjahre, die gegensätzlicher kaum sein könnten: Rekordregen bis Juni, dann fast zwölf Wochen Trockenheit. Das Ergebnis sind dichte, aromatische Weine mit feinem Tannin und moderatem Alkohol — im nördlichen Médoc besonders stark.

Das Jahr

2016 zerfällt in zwei Hälften. Winter und Frühling waren aussergewöhnlich nass: in Pauillac fiel mehr als die Hälfte des Jahresregens in den ersten vier Monaten, im Januar allein ein Rekordwert von 240 Millimetern. Regionweit summierten sich bis in den Juni sechshundert bis siebenhundert Millimeter. Auch Rebberge mit guter Drainage standen zu feucht, und Mitte Juni hielten manche Winzer das Jahr für verloren. Die Blüte kam spät und in wechselhaftes Wetter, gelang aber erstaunlich gut und ergab einen reichen Ansatz. Von den Spätfrösten Ende April, die andernorts in Frankreich grossen Schaden anrichteten, wurden nur wenige Lagen getroffen.

Ab dem 23. Juni kippte das Wetter vollständig. Fast zwölf Wochen lang blieb es warm, sonnig und praktisch niederschlagsfrei — vielerorts fiel ein Zehntel des üblichen Regens. Die Nächte kühlten stark ab, was Aromatik und Säure erhielt. Junge Reben auf durchlässigen Böden litten unter der Trockenheit, alte Reben mit tiefen Wurzeln kamen durch. Zwei Regennächte retteten den Reifeschluss: am 13. September fielen je nach Gemeinde dreissig bis fünfzig Millimeter, was dem Merlot zugutekam, am 30. September weniger, was dem Cabernet Sauvignon reichte.

Die Ernte

Weil kein Fäulnisdruck bestand, konnte sich jeder Betrieb Zeit nehmen. Bei den Weissweinen begann die Lese am 1. September; die besten Güter warteten bis Mitte des Monats. Der Merlot wurde ab Ende September gelesen, in Pauillac ab dem 26. September, der Cabernet Sauvignon im Médoc ab der ersten Oktoberwoche, viele Betriebe erst ab dem 10. Oktober. In kühleren Lagen von Saint-Émilion zog sich die Lese bis Ende Oktober und in den November. Zeitlich entspricht das dem, was in Bordeaux als klassisch spät gilt. Die Menge war für viele reichlich, obwohl die Trockenheit die Beeren klein und dickschalig gehalten hatte.

Die Weine

2016 verbindet Dichte mit Frische. Farbe und Duft sind tief, das Tannin ist reichlich vorhanden, aber feinkörnig und in die Frucht eingebunden; der Alkohol liegt tiefer als in den reifen Jahren zuvor. Der Stil ist zurückhaltender und strenger als 2015, dafür klarer gezeichnet — Eleganz vor Wucht.

Am gleichmässigsten gelang der Jahrgang im nördlichen Médoc — Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe. In den übrigen Appellationen ist das Bild gut, aber ungleicher; einzelne Güter in Pomerol und Saint-Émilion machten dennoch ihren besten Wein überhaupt. Entscheidend war zweierlei, und zwar in umgekehrter Reihenfolge: im ersten Halbjahr die Fähigkeit des Bodens, Wasser abzuführen, im zweiten die Fähigkeit, Wasser zu halten. Die trockenen Weissweine bleiben hinter denen des Vorjahrs.

Heute im Glas

Zehn Jahre reichen für diesen Jahrgang nicht. Die Weine sind noch jung, das Tannin ist zwar fein, aber vollständig präsent, und die Frucht steht kompakt beisammen. Wer jetzt öffnet, bekommt einen Eindruck von Struktur und Aromatik, aber nicht den Wein, der daraus wird. 2016 ist ein Jahrgang zum Liegenlassen.

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