Bordeaux 2014
Bordeaux · 2014 · Stand 03.08.2026
93/100
Ein durchhängender Sommer, den ein aussergewöhnlicher September und Oktober rettete. Gewinner ist der Cabernet Sauvignon des Médoc: frische, klar gezeichnete Weine mit seidigem Tannin — je weiter nördlich, desto überzeugender.
Das Jahr
Es regnete den ganzen Winter durch, und es blieb mild — so nass und so warm war der Jahresbeginn seit rund fünfzig Jahren nicht mehr. Das füllte die nach mehreren trockenen Jahren erschöpften Wasserspeicher. Entsprechend kam der Austrieb früh, Mitte März. Der April war sonnig, warm und trocken, der Mai kühl und nass. Die Blüte lief rasch durch. Auf die Mai-Nässe folgte ein warmer, sonniger Juni, und diese Kombination begünstigte Fäulnis sowie echten und falschen Mehltau — es wurde viel entblättert und ausgedünnt. Am 8. Juni verwüstete ein Hagelzug Teile des nördlichen Médoc; ein Gut verlor dabei rund vier Fünftel seiner Ernte.
Der Juli war nass und kühl, der August trocken, aber kalt und sonnenarm — ausgerechnet im Farbumschlag. Zu diesem Zeitpunkt verglichen manche Besitzer das Jahr mit den schwachen Jahrgängen der frühen neunziger Jahre. Ende August drehte das Wetter und blieb bis Ende Oktober: einer der längsten und stabilsten Spätsommer, an die sich die Region erinnert, mit warmen, trockenen Tagen und Nächten um neun bis zehn Grad. Der September wurde einer der trockensten seit vierzig Jahren.
Die Ernte
Die Weissweintrauben kamen Anfang bis Mitte September unter guten Bedingungen herein. Ein Regen um den 17. September mit örtlich über fünfzig Millimetern in Pomerol schob die Rotweinlese etwas nach hinten und half der Reife. Der Merlot in Pomerol wurde ab dem 22. September gelesen, danach folgten Pessac-Léognan und das Médoc; in Saint-Émilion wartete man länger. Der Cabernet Sauvignon des linken Ufers kam ab Anfang Oktober und ohne Eile, der grösste Teil war am 20. Oktober im Keller, kühle Lagen später. Die Menge fiel deutlich höher aus als im sehr kleinen Vorjahr.
Die Weine
2014 lebt von diesem Herbst. Die Weine sind reif, aber nicht üppig: mittleres Gewicht, seidiges Tannin, klare Frucht und eine Säure, die Zug gibt — mancher hätte sich etwas mehr Zucker und etwas weniger Säure gewünscht. Es ist ein Jahrgang mit klassischen Proportionen, der von Anfang an zugänglich war und trotzdem hält.
Der Vorteil liegt beim spät reifenden Cabernet Sauvignon und damit beim Médoc, und dort umso mehr, je weiter nördlich: Pauillac und Saint-Estèphe voran, danach Saint-Julien und Margaux. Am rechten Ufer geriet das Jahr etwas ungleichmässiger, mit Pomerol vor Saint-Émilion. Die trockenen Weissweine gelangen ausgezeichnet, mit einer Säure, die sie lange tragen wird.
Heute im Glas
Nach zwölf Jahren beginnt der Jahrgang, sich zu öffnen. Die Frucht ist noch frisch, das Tannin im Médoc aber weiter präsent und nicht vollständig gelöst. Die grossen Weine legen mit weiterer Lagerzeit deutlich zu. Die mittlere Ebene trinkt sich schon jetzt gut und zeigt, was dieses Jahr am besten kann: Klarheit statt Gewicht.