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Jahrgangsbericht

Bordeaux 2006

Bordeaux · 2006 · Stand 03.08.2026

Klassischer Jahrgang89/100

Bis Ende Juli sah 2006 wie ein zweites 2005 aus, dann folgten der kälteste August seit zwanzig Jahren und zehn Regentage zur Lesezeit. Geblieben sind strenge, breitschultrige Weine, die harte Selektion verlangten; Pomerol und Pauillac kamen am besten durch.

Das Jahr

Der Winter war ruhig und mild, der März der regenreichste seit dreissig Jahren; April und Mai brachten normale Regenmengen bei hohen Temperaturen. Im Juni wurde es ungewöhnlich trocken und heiss, die Blüte lief planmässig und ohne Probleme, und der Juli blieb heiss, trocken und sonnig. Bis Ende Juli sah 2006 wie eine Wiederholung des Vorjahrs aus. Dann kam der kälteste August, den die Region seit zwanzig Jahren erlebt hatte: sonnenarm und ohne Antrieb für die Reife. Der September begann heiss, brachte dann etwa zehn Regentage mit Gewittern und Fäulnisdruck und drehte in den letzten Wochen wieder auf Sonne und Wärme. Der Oktober blieb von Anfang an unbeständig: feuchte Wärme um 25 Grad brachte in Haut-Médoc, Médoc und Graves Weissfäule in den Cabernet Sauvignon, der eine trockene Woche gebraucht hätte und sie nicht bekam.

Die Ernte

Am 18. September begann die Lese, und ihr Zeitpunkt entschied fast alles. Wer die Trauben bis Ende September im Keller hatte, machte die besten Weine; wer wartete, geriet in den unbeständigen Oktober. Pomerol liest immer zuerst und entkam dem meisten Regen. An der Spitze wurde hart selektiert — vielfach ging weniger als die Hälfte der Ernte in den ersten Wein.

Die Weine

2006 ist ein tanninreicher, breitschultriger, strenger Jahrgang. Am rechten Ufer liegt Pomerol klar vor Saint-Émilion: der Merlot reifte dort unter guten Bedingungen aus, der Cabernet Franc nicht im gleichen Mass. Im Médoc ist Pauillac die gleichmässigste Gemeinde. Bestand hatten Merlot auf tonigen Böden und Cabernet auf den feinsten Kiesen — auf Sand und Schluff war dieses Jahr nicht zu gewinnen. Zwei Fehler prägen die schwächeren Flaschen: zu harte Extraktion, mit der die Witterung ausgeglichen werden sollte, und zu langes Warten, das marmeladige Frucht und trockene Tannine brachte. Die trockenen Weissweine profitierten vom kalten August und gerieten sehr gut; in Sauternes und Barsac erzwang Sauerfäule scharfe Selektion und eine kleine Menge.

Heute im Glas

2006 ist heute trinkreif. Wer öffnet, trifft dennoch oft auf ein festes, sperriges Tannin, das nach zwanzig Jahren nicht mehr weich wird — der Jahrgang bleibt streng, und das ist sein Charakter, nicht sein Reifezustand. Was er gut macht, macht er auf schmalem Grat: dunkle, kühle Frucht, Graphit, ein trockener, langer Abgang. Zu einem kräftigen Essen gibt er deutlich mehr her als für sich allein.

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