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Jahrgangsbericht

Bordeaux 2005

Bordeaux · 2005 · Stand 03.08.2026

Ausnahmejahrgang97/100

Trocken von Mai bis September, warm ohne Extreme, kühle Nächte und Regen genau dann, wenn die Reben ihn brauchten — alle Sorten reiften vollständig aus. 2005 verbindet Kraft mit Frische, trägt über beide Ufer und alle Gemeinden und hat noch die längste Reserve der Dekade.

Das Jahr

Kaum ein Jahr in Bordeaux verlief so gleichmässig. Auf einen ruhigen, kühlen Winter folgte ein warmes, sonniges Frühjahr; die Blüte begann Anfang Juni und war schnell und störungsfrei vorbei. Von Mai bis September fiel nur wenig Regen, doch die Reben passten sich an, weil Sommer und Herbst warm blieben, ohne extrem zu werden: Juli und August blieben in der Summe deutlich kühler als im Hitzejahr 2003, und nur zwei Tage überschritten 35 Grad. Kühle Nächte hielten Aromatik und Säure zusammen. Die wenigen Regenfälle kamen genau richtig — am 17. August am rechten Ufer, am 25. August im Médoc, dann am 8. und am 25. September.

Die Ernte

Am 7. September begann die Lese, die weissen Sorten schon Ende August. Merlot kam in Pomerol und Saint-Émilion Mitte September herein, in Haut-Médoc und Graves gut eine Woche später, Cabernet Sauvignon von Ende September bis Ende Oktober, Petit Verdot zuletzt. Ab Ende September standen sonnige warme Tage und kalte Nächte, sodass jeder Betrieb auf die volle Reife von Schalen und Kernen warten konnte. Die Beeren waren klein und dickschalig; Merlot erreichte 14 bis 15 Prozent potenziellen Alkohol, Cabernet Sauvignon 12,5 bis 13. Dass alle Sorten in einem Jahr vollständig ausreifen, kommt selten vor.

Die Weine

2005 verbindet, was sich meist ausschliesst: Kraft und Frische, Dichte und Klarheit. Die Weine sind sehr tanninreich, doch das Tannin ist rund und reif, und darunter liegt eine Säure, die den Bau aufrecht hält. Getragen wird der Jahrgang von seiner Geschlossenheit — Médoc, Pessac-Léognan, Pomerol und Saint-Émilion gelangen gleichermassen, bis in die kleineren Appellationen hinein. Ein Ufer vorzuziehen fällt schwer; an der Spitze liegen beide Seiten gleich, und unter den Gemeinden ragen Saint-Émilion und Margaux heraus. Auch die trockenen Weissweine und die Süssweine erreichten ein hohes Niveau.

Heute im Glas

Von den Jahrgängen dieser Dekade hat 2005 die längste Reserve. Er ist weiterhin jung und tanninbetont und hat Spielraum zum Weiterlagern. Wer heute öffnet, trifft auf Weine, die sich langsam auffalten und noch Substanz zurückhalten: dunkle Frucht ohne Marmelade, Graphit, Zedernholz und ein sehr langer, straffer Abgang. Zwei Jahrzehnte liegen hinter dem Jahrgang; ein weiteres verträgt er ohne Mühe.

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