Bordeaux 2004
Bordeaux · 2004 · Stand 03.08.2026
88/100
Nach dem Hitzejahr 2003 der bis dahin grösste Ertrag des Jahrhunderts — 54 Hektoliter je Hektar. Ein kalter, nasser August verzögerte die Reife, ein warmer September holte sie zurück: 2004 ist ein klassischer Jahrgang mittleren Gewichts, sauber dort, wo streng ausgedünnt wurde.
Das Jahr
Nach einem ruhigen Winter und einem wechselhaften, feuchten Frühjahr setzte die Blüte Anfang Juni ein — und war in drei Tagen vorbei, wo sie normalerweise zwei Wochen dauert. Sie verlief so gleichmässig, dass sich ein enormer Fruchtansatz abzeichnete; Ende Juli entfernten viele Betriebe ein Viertel bis ein Drittel der Trauben. Der Juni war durchschnittlich, der Juli kühler, der August kalt und nass mit rund 80 Millimetern Regen, wovon das rechte Ufer am stärksten betroffen war. Die Reife verzögerte sich deutlich, auch weil die Reben von der Hitze des Vorjahrs noch nicht erholt waren. Der September brachte warme, sonnige Tage mit kühlen Nächten zurück, und vom 24. September bis zum 7. Oktober blieb es heiss und sonnig.
Die Ernte
Die Lese begann am 16. September, gut zwei Wochen später als zunächst erwartet. Am rechten Ufer konnte der Merlot in der warmen Phase Ende September reif geholt werden. Die Cabernets kamen ab dem 11. Oktober; der Regen, der wenige Tage darauf fiel, richtete kaum Schaden an, weil die Trauben ihren Reifezyklus bereits abgeschlossen hatten. Ab dem 18. Oktober kehrten Sonne und Wärme zurück, und die späten Sorten kamen in guter Verfassung herein. Am Ende stand der grösste Ertrag, den das Jahrhundert bis dahin gesehen hatte: 54 Hektoliter je Hektar im regionalen Mittel.
Die Weine
2004 ist ein klassischer Jahrgang mittleren Gewichts — frisches Tannin, klare Frucht, überschaubare Kraft. Die Ungleichmässigkeit des Jahres steckt in den Flaschen: wo streng ausgedünnt und sortiert wurde, sind die Weine sauber und ordentlich gebaut; wo die Menge stehen blieb, schleichen sich grüne Töne in den Abgang, und einzelne Weine wirken karg, ohne Charme durchzulassen. Zwischen den Ufern ist kaum zu entscheiden, keines fällt ab. Die spät reifenden Sorten — Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot — profitierten von der langen Reifezeit; im Médoc überzeugen runde, geschmeidige Tannine. Regen am 23. September startete in Sauternes die Edelfäule; mit Nebelmorgen und heissen Nachmittagen folgte eine gute Lese, die sich über Wochen zog.
Heute im Glas
Die 2004er sind trinkreif und halten sich, ohne noch etwas zu gewinnen. Im Médoc steht bei einigen Weinen noch Tannin im Weg, am rechten Ufer sind sie früher gereift und weicher. Was der Jahrgang gut kann, ist Bordeaux ohne Wucht: mittlere Dichte, aufrechte Säure, Zeder und Cassis. Was er nicht liefert, ist Tiefe — und die grünen Ränder treten mit jedem Jahr etwas deutlicher hervor.