Bordeaux 2003
Bordeaux · 2003 · Stand 03.08.2026
89/100
Frankreichs heissester Sommer seit Messbeginn, dazu eine der frühesten Lesen der Bordeaux-Geschichte. Der Jahrgang fällt weit auseinander: grosse Weine auf Ton und Kalk im nördlichen Médoc, ausgebrannte auf tiefem Kies und in Pomerol.
Das Jahr
2003 war der heisseste Sommer, den Frankreich gemessen hat. Der Austrieb kam früh, und die steigenden Temperaturen beschleunigten alles: die Blüte war rund zwei Wochen vor dem üblichen Termin vorbei. Weil der Winter trocken geblieben war, zeichnete sich von Anfang an eine unterdurchschnittliche Menge ab — was sich später als Glück erwies. Juni und Juli waren sehr warm und trocken: zehn aufeinanderfolgende Junitage über 30 Grad, elf solche Tage im Juli. Der August lag im Mittel gegen 32 Grad, Tag und Nacht ohne Abkühlung; über fünfzig Tage der Vegetationsperiode lagen über 30 Grad, sechs erreichten 40. Dazu schlug im Sommer Hagel in Pessac-Léognan ein. Reben unter zehn Jahren schalteten ab und blieben den Rest des Jahres träge, ebenso Anlagen auf tiefem Kies und Sand. Ab dem 16. August fiel etwas Regen, weitere Schauer folgten, und der September war dann warm statt heiss, mit Regen am 6., 7. und 9. — für das nördliche Médoc die entscheidenden Tage.
Die Ernte
Die Färbung lag zwanzig Tage vor dem Mittel der fünfzig Jahre davor, und die Lese begann so früh wie kaum je: die trockenen Weissen kamen in der zweiten Augusthälfte herein, der Merlot am rechten Ufer ab dem 8. September, im Médoc und in Graves eine Woche später, die Cabernets und der Petit Verdot danach bis in den frühen Oktober. Durch die Verdunstung war der Zucker stark konzentriert, die Gärungen mussten entsprechend geführt werden.
Die Weine
Kein anderer Jahrgang dieser Dekade fällt so weit auseinander. Was den Wein rettete, war Wasser im Boden:
- Ton und Kalk hielten die Reben in Gang — Saint-Estèphe, Teile von Pauillac und Saint-Julien, das Kalkplateau von Saint-Émilion, Fronsac, Castillon.
- Tiefer Kies und Sand trockneten aus. Pomerol verbrannte, Pessac-Léognan blieb hinter seinen Möglichkeiten, Margaux zerfiel in Gelungenes und Missglücktes.
Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc hielten die Hitze deutlich besser aus als Merlot, und das macht das nördliche Médoc zum Zentrum des Jahrgangs. Dort entstanden dichte, dunkle, ungewöhnlich lang haltbare Weine, wie es sie in keinem anderen Jahr gibt. Süsswein geriet dick, intensiv und säurearm.
Heute im Glas
Die Masse des Jahrgangs ist heute über ihren Punkt hinaus, und das auf beiden Ufern; in mehreren Gemeinden lagen die Ergebnisse von Anfang an weit auseinander. Die Ausnahme sind die alten Reben auf kühlen, wasserhaltenden Böden im nördlichen Médoc: diese Weine wirken heute überraschend klassisch, kühler und schlanker, als man ihnen bei der Freigabe nachgesagt hat. Für alle anderen gilt: nicht länger warten.