Entdecken
Jahrgangsbericht

Bordeaux 2002

Bordeaux · 2002 · Stand 03.08.2026

Klassischer Jahrgang87/100

Kälte und Regen zur Blüte kosteten den Merlot am rechten Ufer 60 bis 70 Prozent der Ernte, ein kalter Sommer verzögerte die Reife; erst ein trockener Herbst von September bis Mitte Oktober holte sie ein. 2002 ist ein kühler, klassischer Cabernet-Jahrgang mit festem Tannin und unterreifem Unterton — im Médoc klar stärker als am rechten Ufer.

Das Jahr

Ein kaltes, trübes, nasses Frühjahr setzte den Ton. Eine Wärmephase Ende Mai löste die Blüte aus, doch danach kehrten Kälte und Regen zurück, mit Folgen, die den ganzen Jahrgang bestimmen: der Merlot verrieselte und blieb kleinbeerig. Am rechten Ufer fiel seine Ernte um 60 bis 70 Prozent aus. Der Sommer blieb ungewöhnlich kalt und feucht, im August kam Regen und mit ihm Fäulnis, die Färbung zog sich über Wochen, und stellenweise verwässerten die Beeren. Erst im September kamen Sonne und trockene Luft zurück, und sie blieben bis in die Oktobermitte. Dieser knappe Monat war das ganze Zeitfenster, in dem 2002 reifen konnte: er stoppte die Fäulnis und holte einen Teil der fehlenden Reife nach.

Die Ernte

Die Lese begann am 24. September. Entscheidend war, wie lange ein Betrieb warten konnte: wer die letzten Trauben erst Mitte Oktober holte, war klar im Vorteil. Wer streng sortierte, verlor dabei viel Menge — anders liess sich die Fäulnis nicht aus dem Keller halten.

Die Weine

2002 ist ein kühler Cabernet-Jahrgang, und darin liegt seine Stärke wie seine Grenze. Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc reiften anständig aus, der Merlot nicht — deshalb steht das Médoc deutlich besser da als das rechte Ufer, wo die kleine Merlot-Ernte zudem mittelmässig ausfiel. Merlot auf tonigen Böden litt am stärksten, auf Kies weniger; einzelne Güter in Pomerol und Saint-Émilion gelangen dennoch. Der Stil ist streng und klassisch: festes, teils rustikales Tannin, ein grüner, unterreifer Unterton, wenig Fülle. Wo im Keller gegengesteuert und zu hart extrahiert wurde, blieben kantige, trockene Weine zurück. Die trockenen Weissweine gelangen sehr gut, die Süssweine ordentlich, ohne an das Vorjahr heranzukommen.

Heute im Glas

Die 2002er sind auf ihrem Höhepunkt und halten sich dort dank ihrer Säure erstaunlich stabil — die besten Médoc-Weine überstehen noch ein Jahrzehnt, ohne besser zu werden. Erwarten sollte man einen aufrechten, kühlen, wenig üppigen Bordeaux mit kräuterwürzigem Rand und schmalem Kern. Die Weine des rechten Ufers sind früher gereift und bleiben dünner; wer sie im Keller hat, öffnet sie zuerst.

Aus diesem Jahrgang auf VINVO

Benachbarte Jahrgänge

Alle 81 Bordeaux-Jahrgänge

Kuratiert von VINVO.