Bordeaux 2001
Bordeaux · 2001 · Stand 03.08.2026
91/100
Der unterschätzte Jahrgang im Schatten von 2000: ein sehr trockener September holte die Reife noch heim, doch die Weine blieben schlanker und straffer, mit deutlich spürbarem Tannin. Für Sauternes und Barsac ist 2001 dagegen ein Ausnahmejahr.
Das Jahr
2001 begann zäh. Der April drehte von kühl auf kalt und bremste den Austrieb. Im Mai kam die Wende mit einer unerwarteten Hitzewelle, und in der warmen, trockenen Phase bis in den Juni verliefen Blüte und Fruchtansatz gleichmässig. Der Ansatz war reichlich — wer Qualität wollte, musste ausdünnen. Der Juli kam kalt und nass zurück, der August wechselte zwischen Hitzespitzen und Kälteeinbrüchen, was die Färbung über Wochen streckte und die Reife ungleich machte. Dann folgte einer der trockensten September, die in Bordeaux aufgezeichnet sind.
Die Ernte
Die Rotweinlese lief in einer langen trockenen Phase mit gemässigten Temperaturen von September bis in den frühen Oktober; im Médoc begann sie am 25. September. Die Menge war gross, und wer beim Ausdünnen konsequent gewesen war, brachte die Reben ins Gleichgewicht. Die Trauben wurden reif, aber mit weniger Zucker und weniger Substanz als im Vorjahr.
Die Weine
2001 ist der schlankere, strengere Zwilling von 2000: weniger Fruchtdruck, mehr Struktur, Tannin und Säure treten klarer hervor. Genau das ist der Grund, weshalb viele den Jahrgang mögen — ein klassisch gebautes Bordeaux-Jahr ohne Opulenz. Über die Ufer ist das letzte Wort nicht gesprochen. In Pomerol und Saint-Émilion wurde unter tadellosen Bedingungen gelesen, während im Médoc Regen einzelne Parzellen verwässerte; deswegen fällt keines der beiden Ufer ab. Der Unterschied ist hier eher eine Frage des Betriebs als der Flussseite. Klar ist dagegen der Rang der Süssweine: Regen Ende August liess die Edelfäule anlaufen, gemässigte Septembertemperaturen bremsten sie, leichter Oktoberregen und Wärme trieben sie flächig durch. Der Kern dieser Lese fiel in die Oktobermitte, und das Ergebnis gehört zum Besten, was Sauternes und Barsac im neuen Jahrhundert hervorgebracht haben.
Heute im Glas
Die roten 2001er sind trinkreif, einzelne Gemeinden früher gereift als andere; Substanz zum weiteren Warten hat der Jahrgang nicht. Was er bietet, ist ein feiner, aufgehellter, kräuterwürziger Bordeaux-Stil, der am Tisch mehr hergibt als in der Verkostung. Die Süssweine dagegen haben noch Jahrzehnte vor sich.