Bordeaux 2000
Bordeaux · 2000 · Stand 03.08.2026
96/100
Der Jahrtausendjahrgang begann mit schwerem Mehltau und einem kühlen Frühsommer und wurde von zwei Monaten perfektem Wetter gerettet. Es entstanden tiefe, tanninstarke Weine in allen Appellationen — erstmals seit zehn Jahren gelangen beide Ufer gleichzeitig.
Das Jahr
Der Start war denkbar schlecht. Auf einen kalten Januar folgte ein milder, warmer März — und mit ihm einer der schwersten Mehltau-Ausbrüche, die die Region seit Jahrzehnten gesehen hatte. Die Blüte kam später als üblich, der Fruchtansatz war aber gut. Der Juni schwankte zwischen heiss und kalt und war in seinen schlechten Wochen kühl, feucht und sonnenarm; der Juli war nicht besser. Bis Ende Juli hätte niemand in Bordeaux auf mehr als einen durchschnittlichen Jahrgang gesetzt. Dann kippte das Wetter, und es blieb zwei Monate lang warm, trocken und sonnig. Im August wurde es so trocken, dass Parzellen auf Sand und tiefem Kies in Wassermangel gerieten. Mitte September brachte etwas Regen die nötige Entspannung, danach blieb es bis in die Lese hinein trocken.
Die Ernte
Die Lese der roten Sorten begann in der zweiten Septemberhälfte, und die meisten Güter waren um den 10. Oktober fertig — die ganze Zeit bei ruhigem, trockenem Wetter. Die Mengen lagen über dem Durchschnitt, die Beeren waren klein und dickschalig. Mehrere Häuser verzeichneten die höchsten Tannin- und Extraktwerte, die sie je gemessen hatten.
Die Weine
2000 ist ein tiefer, dichter, ausgesprochen tanninreicher Jahrgang. Das Aussergewöhnliche daran ist nicht die Spitze, sondern die Breite: Médoc, Pomerol, Saint-Émilion und Pessac-Léognan gelangen gleichzeitig, dazu die kleineren Appellationen. Zuletzt war das 1990 gelungen. Manche Weine wirkten in der Jugend rustikal, weil im Keller damals kräftiger extrahiert wurde als heute. Die merlotgeprägten Weine des rechten Ufers zeigen sich inzwischen etwas geschmeidiger und duftiger als die strengeren Cabernet-Weine des linken. Die Süssweine blieben zurück: der trockene Herbst liess die Edelfäule kaum aufkommen, und Mitte Oktober erzwang Regen die Lese.
Heute im Glas
Nach einem Vierteljahrhundert beginnen die 2000er, sich zu öffnen. Jung und tanninbetont sind sie weiterhin, überfällig ist keiner. Wer öffnet, findet Weine, die sich gerade auffalten: reife schwarze Frucht, Tabak, Zedernholz und ein Tannin, das trägt statt kratzt. Zum Warten bleibt Zeit — die besten Flaschen brauchen keine Eile.