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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1999

Bordeaux · 1999 · Stand 03.08.2026

Klassischer Jahrgang86/100

Ein Jahr, das der Regen entschied: nach warmem, trockenem Frühsommer brachten Hagel in Saint-Émilion und ein durchnässter September hohe Erträge und dünne Weine. Sorgfältige Kellerarbeit rettete das Nötigste — heute ist der Jahrgang am Ende seiner Zeit.

Das Jahr

Die ersten Monate verliefen unauffällig, aber trocken. Der Austrieb fiel in einen ungewöhnlichen Hitzeschub; danach blieb es warm, in Gang kam das Frühjahr aber spät. Zeitweise wurde die Witterung fast tropisch, und der Pilzdruck in den Reben verlangte laufende Arbeit. Die Blüte lief Ende Mai und in den ersten Junitagen unter normalen Bedingungen ab, Juni und Juli waren warm und trocken. Anfang August fielen dann über 75 Millimeter Regen. Gewitter bremsten die Färbung der Trauben, und in der feuchten Wärme zog der Mehltau erneut an. Wer die Reben in dieser Phase im Griff behielt, brauchte dafür Personal und Geld — beides hatten in diesem Umfang nur die grossen Güter.

Die Ernte

Die ersten Trauben kamen am 30. August herein. Am 5. September zog ein Hagelzug über einen begrenzten Abschnitt des Kalkplateaus von Saint-Émilion; die getroffenen Güter mussten am Tag darauf holen, was noch zu retten war. Vom 12. September an begann der Regen und hörte kaum mehr auf — über 150 Millimeter fielen im Monat. Am rechten Ufer wurde der Merlot in Eile geerntet, ohne den üblichen Abstand zu den Cabernets. Im Médoc zog sich die Lese der Cabernets länger hin, und der Regen verwässerte auch dort die späten Parzellen. Die Erträge lagen über dem Durchschnitt — in einem nassen Jahr die ungünstigste Kombination.

Die Weine

1999 ist ein schlanker, früh zugänglicher Jahrgang mit wenig Mitte. Grüne, unfertige Töne im Abgang sind häufig, das Tannin bleibt trocken statt tragend. Beide Ufer liegen dicht beieinander, einen klaren Sieger gibt es nicht. Am besten kamen die tiefen Kiesböden von Pauillac und Saint-Julien sowie die Kiesterrassen von Margaux durch, weil sie Wasser wegleiten; am rechten Ufer gelang das dort, wo die Böden ebenso frei entwässern. Bemerkenswert bleibt, wie viel Grünlese, harte Selektion und sorgfältige Kellerarbeit von einem verregneten September abfingen; dieselbe Witterung hätte zehn Jahre zuvor deutlich mehr Schaden angerichtet.

Heute im Glas

Der Jahrgang ist durch. Praktisch alle Weine haben ihren Höhepunkt hinter sich oder stehen unmittelbar davor, Reserven zum Warten gibt es nicht. Gut gelagerte Flaschen aus den grossen Häusern beider Ufer zeigen noch Duft, Charme und eine feine, reife Textur — gewinnen aber nichts mehr dazu. Die Süssweine des Jahrgangs waren von Beginn an leichter gebaut und sind ebenfalls über ihren Punkt hinaus.

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