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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1998

Bordeaux · 1998 · Stand 03.08.2026

Grosser Jahrgang92/100

Ein kühler Beginn, ein glühender August und Regen genau dann, als das Médoc noch Zeit gebraucht hätte: 1998 gehört dem rechten Ufer. Pomerol und Saint-Émilion brachten dichte, samtige Weine mit mässigem Alkohol, die heute auf ihrem Höhepunkt stehen.

Das Jahr

Der Winter verlief mild, dann blieben April und Mai kühl, feucht und sonnenarm; die Blüte verlief trotzdem gleichmässig. Der Juni schwankte, der Juli brachte wenig Wärme und wenig Licht, und bis dahin versprach das Jahr nichts. Der August drehte es: anhaltende Hitze, die meisten Tage über dreissig Grad, einige über fünfunddreissig, einer nahe vierzig. Die Beeren blieben klein und dickschalig, mit viel Farbe und Extrakt. Ein Hagelzug traf im August das Plateau von Pomerol und zwang die Betriebe dort zu einer harten Grünlese, was die Konzentration der besten Weine zusätzlich erhöhte. Der September begann mit einigen Schauern, die den Reben Wasser brachten, ohne zu verwässern.

Die Ernte

Die Weissweine und der Merlot des rechten Ufers kamen in der ersten Septemberhälfte unter sehr guten Bedingungen herein. Pomerol und Saint-Émilion waren praktisch fertig, als das Wetter umschlug. Am 27. September fielen rund dreissig Millimeter, danach regnete es immer wieder, und am 1. Oktober kamen weitere rund vierzig hinzu. Genau in jenem Moment hätte der Cabernet Sauvignon des Médoc noch Zeit gebraucht; die Häuser dort mussten lesen, bevor die Reife vollendet war.

Die Weine

1998 gehört dem rechten Ufer, und dort ist es ein grosser Jahrgang. Die Weine aus Pomerol und Saint-Émilion haben einen dichten, aber nicht überladenen Kern, samtige Tannine, eine Säure, die im Hintergrund bleibt, und Alkoholwerte um dreizehn bis dreizehneinhalb Prozent, nach heutigen Verhältnissen also mässig. Pomerol liegt vor Saint-Émilion, das etwas leichter ausfiel und die Reife nicht überall erreichte. Pessac-Léognan war ebenfalls sehr erfolgreich, bei Rot wie bei Weiss. Im Médoc ist der Jahrgang uneinheitlich, aber besser als sein Ruf: das feste Tannin der Anfangsjahre hat die Frucht der Spitzenweine bewahrt, und einzelne Weine aus Pauillac, Margaux und Saint-Estèphe stehen heute frisch und vollständig da. In Sauternes verdarben die Regenfälle Ende September und Anfang Oktober einen vielversprechenden Beginn; erst die aufhellenden letzten Oktobertage brachten gleichmässig edelfaule, konzentrierte Beeren. Nur wer so lange warten konnte, machte gute Weine; entsprechend ungleich fällt das Bild dort aus.

Heute im Glas

Der Jahrgang steht auf seinem Höhepunkt. Die grossen Weine des rechten Ufers sind auf einem breiten Plateau angekommen, mit tertiärer Komplexität, reichlich Frucht im Kern und glatten Tanninen. Am linken Ufer reifen die besten Weine weiter langsam und haben Reserve; ihr Tannin ist harmonisch geworden, ohne das Rückgrat zu verlieren. 1998 wurde lange übersehen, weil das Médoc die öffentliche Wahrnehmung bestimmte. Im Glas ist der Jahrgang deutlich mehr, als dieser Ruf vermuten lässt.

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