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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1997

Bordeaux · 1997 · Stand 03.08.2026

Klassischer Jahrgang85/100

Sehr früher Blütebeginn, dann ein schwüler Sommer mit Fäulnisdruck und Regen Ende August. 1997 ergab weiche, früh zugängliche Rotweine ohne Gerüst, die heute alle voll reif sind. Der eigentliche Erfolg des Jahres liegt bei den Süssweinen von Sauternes und Barsac.

Das Jahr

1997 begann mit einem warmen Winter und einem ausserordentlich warmen März. Temperaturen um dreissig Grad zogen den ganzen Zyklus vor und brachten eine der frühesten Blüten, die in Bordeaux verzeichnet wurden. Die Häuser hofften auf ein grosses Jahr. Die Blüte verlief allerdings ungleich, und das haftete dem Jahrgang bis zum Schluss an: was ungleich blüht, reift ungleich. Der Juni kühlte ab und brachte Regen, der Juli war schwül, der August tropisch. Pilzdruck und Fäulnisgefahr begleiteten den Sommer durchgehend, und es musste viel behandelt werden. Vom 25. August bis zum 1. September fiel viel Regen und blähte die Beeren auf. Der restliche September war bis auf leichte Schauer warm und sonnig, aber der Schaden war angerichtet: zu viel faules und zu viel unreifes Traubengut hing in den Rebbergen.

Die Ernte

Die Lese war lang, gestaffelt und verlangte Entscheidungen. Der Sauvignon Blanc in Pessac-Léognan wurde ab dem 18. August geholt, einer der frühesten Weissweinstarts überhaupt; die roten Sorten begannen in den ersten Septembertagen. Wer Geduld hatte und spät pflückte, holte mehr aus dem Jahr heraus. Weil die Reife so ungleich war, entschieden in diesem Jahr die Zahl der Durchgänge im Rebberg und die Sortierung mehr als die Lage.

Die Weine

Die Rotweine wurden weich, rund und früh zugänglich, mit angenehmer Frucht und wenig Gerüst. Sie waren nie unangenehm, aber immer knapp: es fehlt die Mitte, die Tiefe und die Spannung, die einen Wein über Jahrzehnte trägt. Zwischen den Ufern ist der Unterschied klein, und über die ganze Region liegt der Jahrgang gleichmässig flach. 1997 unterscheidet sich weniger nach Lage als nach Sorgfalt. Die trockenen Weissweine waren fruchtig und gefällig, ohne Statur. Anders die Süssweine: in Sauternes und Barsac wurde bis in den November hinein gelesen, und wer viele Durchgänge machte, brachte charmante, klar von Edelfäule geprägte Weine zustande. Hier liegt der Höhepunkt des Jahrgangs, und er reicht über das schon gelungene 1996 hinaus.

Heute im Glas

Die Rotweine sind vollständig reif; ihr Höhepunkt liegt genau jetzt oder knapp dahinter, und Warten bringt nichts mehr ein. Wer eine Flasche öffnet, findet einen weichen, tertiär geprägten, kurzen Bordeaux, angenehm, wenn man ihn so nimmt, und enttäuschend, wenn man Grösse erwartet. Auch die Süssweine des Jahrgangs sind rascher gereift als erhofft und sollten nicht länger liegen bleiben. 1997 bleibt damit ein Zwischenjahr: gefällige, sauber gemachte Rotweine ohne Tiefe — und Süssweine, die den Jahrgang tragen.

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