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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1996

Bordeaux · 1996 · Stand 03.08.2026

Klassischer Jahrgang89/100

Das Cabernet-Jahr des Jahrzehnts. Ein grosser Augustregen fiel fast nur über dem rechten Ufer und über Margaux, während Pauillac und Saint-Julien trocken blieben und eine seltene Reife erreichten. Die Médoc-Weine sind tief und strukturiert und stehen heute in ihrer besten Zeit.

Das Jahr

Nach einem milden Winter trieben die Reben früh aus; der März brachte eine fast zweiwöchige Hitzeperiode, der April kalte Nächte mit geringem Frostschaden. Der Mai war kühl, der Juni heiss mit Tageshöchstwerten um dreissig Grad, was die Blüte rasch, aber ungleich ablaufen liess. Beim Merlot blieb der Behang ungleich und kleinbeerig, weshalb seine Menge klein ausfiel. Von Mitte Juli bis Mitte August war es warm und sonnig. Ende August fiel ein grosser Regen von rund 150 Millimetern, ein Mehrfaches des Üblichen für diese Jahreszeit, und er fiel ungleich: fast alles davon über dem rechten Ufer und über Margaux, sehr wenig über Pauillac, Saint-Julien und Saint-Estèphe. Genau diese Verteilung entschied das Jahr. Vom 31. August bis zum 18. September blieb es warm, trocken und windig; der Wind trocknete die Rebberge, und ihm wird ein guter Teil der Jahrgangsqualität zugeschrieben. Der September lag ein Grad unter dem langjährigen Mittel.

Die Ernte

Am 16. September begann die Lese mit dem Merlot. Ein Regen um den 24. September zwang manche Betriebe, vor der vollen Reife zu pflücken; wer warten konnte, wurde mit zurückkehrendem Schönwetter belohnt. Der Cabernet Sauvignon kam von Ende September bis Mitte Oktober herein, unter nahezu idealen Bedingungen und mit einer Reife der Tannine, wie sie das Médoc lange nicht erreicht hatte.

Die Weine

1996 ist der Cabernet-Jahrgang des Jahrzehnts und gehört dem linken Ufer, so wie 1998 dem rechten gehört. Die besten Weine aus dem Médoc sind tief, konzentriert, mittelgewichtig bis kräftig, klar und frisch in der Frucht und von einem festen, aber feinkörnigen Tanningerüst getragen. Sie galten lange als spröde und verschlossen und haben dieses Urteil widerlegt. Der Schwerpunkt liegt in Pauillac und Saint-Julien, während Margaux und Pessac-Léognan uneinheitlicher ausfielen. Am rechten Ufer, wo der Regen fiel und der Merlot ohnehin kleinbeerig geblieben war, ist der Jahrgang schmaler und ungleich; Saint-Émilion zeigt fleischige, aber wenig verlässliche Weine. In Sauternes setzte die Edelfäule spät ein, dann aber gleichmässig, und es entstand der erste gute Süsswein-Jahrgang seit 1990.

Heute im Glas

Die grossen Médoc-Weine sind jetzt in ihrer besten Zeit und haben trotzdem noch Jahre vor sich; sie tragen ihre Struktur ohne Härte und gewinnen weiter an Komplexität. Am rechten Ufer ist der Jahrgang durch, dort lohnt das Warten nicht mehr. Für einen Keller heisst das: 1996 sortiert sich nach Ufer klarer als fast jedes andere Jahr des Jahrzehnts.

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