Bordeaux 1994
Bordeaux · 1994 · Stand 03.08.2026
86/100
Ein guter Sommer, dann drei Wochen Dauerregen ab dem 7. September. 1994 ergab feste, herbe Weine mit grünem Tannin und wenig Charme; Pomerol und Pessac-Léognan kamen am besten durch. Der Jahrgang wurde freundlicher aufgenommen, als er verdiente, und ist heute meist über dem Zenit.
Das Jahr
Der Frühling war nass und kühl; für einen frühen Austrieb reichte die Wärme trotzdem. Mitte April traf ein Frost den südlichen Médoc bis hinunter nach Sauternes und schmälerte dort die Menge. Danach wurde es unauffällig gut: Juli und August waren mässig warm, sonnig und über längere Zeit trocken. Auf den durchlässigsten Parzellen wurde es dem Rebstock zu trocken, sonst reiften die Trauben ruhig und gleichmässig, und bis Mitte August lief der Jahrgang ohne Zwischenfall. Am 7. September begann der Regen und hörte bis Monatsende nicht mehr auf; mehr als 175 Millimeter kamen zusammen. Ein Glück im Unglück: es blieb zu kühl für Fäulnis.
Die Ernte
Weil Austrieb und Reifebeginn früh gelegen hatten, traf der Regen einen bereits weit fortgeschrittenen Jahrgang, und das verhinderte das Schlimmste. Gelesen wurde ab der zweiten Septemberwoche, deutlich früher als üblich, bei mittlerer Menge. Viele Betriebe holten die Trauben herein, bevor die Tannine ausgereift waren, weil die Zuckerwerte gut aussahen und der Regen nicht nachliess.
Die Weine
1994 ist ein strenger Jahrgang. Die Weine sind fest, herb und knapp an Charme; im Médoc zieht sich häufig ein grüner Ton durch den Abgang. Die Tannine blieben rustikal und kauig, die Säure tief, und diese Kombination hat dem Jahrgang die lange Reife verwehrt. Am besten kam Pomerol durch, weil dort zuerst gelesen wurde und Merlot und Cabernet Franc weniger Wasser aufnahmen; Pessac-Léognan stellte am linken Ufer die gleichmässigsten Rotweine. Die trockenen Weissweine wurden vor dem Regen geerntet und sind ordentlich, ohne Tiefe. Sauternes und Barsac litten unter Verwässerung und Graufäule.
Heute im Glas
Nach drei schwachen Jahren wurde 1994 bei Erscheinen deutlich freundlicher aufgenommen, als es der Jahrgang verdient hat. Heute sind die meisten Weine über dem Zenit, und das grüne Tannin steht nun frei, weil die Frucht davor weggeschmolzen ist. Einige strukturierte Weine aus dem südlichen Pauillac und dem nördlichen Saint-Julien sowie aus Pomerol trinken sich weiterhin gut, ohne je opulent gewesen zu sein. Zu gewinnen ist mit weiterer Lagerung nichts.