Bordeaux 1993
Bordeaux · 1993 · Stand 03.08.2026
83/100
Ein warmer Sommer machte Hoffnung, dann ertränkte ein Rekord-September die Ernte. 1993 ergab helle, unterreife Weine, die früh trinkreif waren; das rechte Ufer und Graves kamen besser durch als das Médoc. Heute überwiegend über dem Zenit, mit einzelnen fein gereiften Ausnahmen.
Das Jahr
Auf einen nassen Frühling folgten ein warmer, trockener Juli und August: acht Wochen, die den Häusern Hoffnung machten. Blüte und Fruchtansatz verliefen ohne Störung, und alles deutete auf eine reiche, gesunde Ernte nach zwei verlorenen Jahren. Der September nahm die Hoffnung zurück. Es regnete so viel, dass der Monat als einer der nassesten Septembermonate der Aufzeichnungen gilt; in Saint-Estèphe fielen allein in diesen Wochen rund 200 Millimeter. Wie viel Wasser ein Rebberg abbekam, hing stark von der Lage ab, und die Spannweite innerhalb der Region war ungewöhnlich gross. Immerhin blieb es kühl, was die Fäulnis bremste. Gegen die Verwässerung und die fehlende Reife der Tannine half das nicht.
Die Ernte
Gelesen wurde im letzten Septemberdrittel, bei anhaltendem Regen. Die Menge war reichlich, was das Problem verschärfte. Entscheidend war, wer früh pflücken konnte: die trockenen Weissweine kamen vor dem Regen herein, der früh reifende Merlot kurz danach, der Cabernet Sauvignon zuletzt und am nassesten.
Die Weine
Was in die Flasche kam, war hell bis mitteldicht, dünn und unterreif. Weil der Merlot vorn lag, steht das rechte Ufer über dem Médoc; Pomerol und Graves stellen die verlässlichsten Weine, während das Médoc mit seinem hohen Cabernet-Anteil deutlich abfällt. Ein zweites Problem kommt hinzu: wie schon 1990 finden sich Brettanomyces und eine erhebliche Streuung von Flasche zu Flasche, gerade unter den Pomerol-Weinen. In Sauternes und Barsac bildete sich kaum Edelfäule; dort entstand nichts, was man aufheben müsste.
Heute im Glas
Der Jahrgang war von Anfang an früh trinkreif und ist heute überwiegend über dem Zenit. Vereinzelt überrascht er doch: ein paar Médoc-Weine sind dem Fehlton entgangen, langsam gereift und stehen heute schlank, duftig und frisch im Glas. Für grosse Weine muss man sie nicht halten; in ihrem schmalen Rahmen sind sie stimmig. Alles andere wird nicht besser; die wenige Frucht, die noch da ist, geht weiter zurück.