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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1992

Bordeaux · 1992 · Stand 03.08.2026

Schwieriger Jahrgang72/100

Eines der nassesten Vegetationsjahre des Jahrhunderts, mit Dauerregen mitten in der Lese. Die Weine waren schon bei der Auslieferung dünn und ohne Mitte: der schwächste Bordeaux-Jahrgang des Jahrzehnts und heute durchgehend über dem Zenit.

Das Jahr

1992 fing vielversprechend an. Die Blüte lag früh, der Frühsommer war warm und trocken. Dann kippte das Jahr und kam nicht mehr zurück. Der August war nass, der September kühl bis kalt, und über das Ganze gerechnet war es eines der nassesten Vegetationsjahre, die Bordeaux im 20. Jahrhundert erlebt hat. Wo im Bordelais zu viel Wasser fällt, folgt Fäulnis: Falscher Mehltau und Graufäule kosteten einen erheblichen Teil des Traubengutes, und was hängen blieb, war verwässert. Zu den Verlusten im Rebberg kam der Mangel an Substanz in den Beeren.

Die Ernte

Die Lese der roten Sorten begann in der letzten Septemberwoche. Mitten hinein, vom 2. bis zum 6. Oktober, fiel ein Dauerregen und spülte die letzte Hoffnung auf einen brauchbaren Jahrgang weg. Nur wenige Häuser betrieben damals jene strenge Auslese, die aus einem solchen Jahr wenigstens einen sauberen, wenn auch schlanken Wein macht; die Technik und die Bereitschaft dazu kamen erst in den Jahren danach.

Die Weine

Schon bei der Auslieferung waren die Weine hell, dünn und ohne Mitte, und das war ihr bester Moment. Zwischen den Ufern gibt es kaum etwas zu unterscheiden, weil das Wasser überall dasselbe anrichtete; Pomerol kam geringfügig weniger schlecht davon als Margaux, Saint-Émilion oder Pessac-Léognan. Die trockenen Weissweine waren annehmbar, ohne Spannung und ohne Zukunft. In Sauternes verdrängte die Graufäule die Edelfäule, und es entstand kaum etwas Erwähnenswertes.

Heute im Glas

1992 ist der schwächste Jahrgang des Jahrzehnts und gilt als der letzte wirklich schlechte in Bordeaux vor 2013. Danach veränderten Rebbergarbeit, Kellertechnik und die Bereitschaft, konsequent auszusortieren, das Bild grundlegend. Trinkbar ist heute so gut wie nichts mehr; die wenigen Weine, die Substanz hatten, hätte man vor Jahrzehnten öffnen sollen. Steht eine Flasche aus persönlichen Gründen im Keller, gehört sie jetzt auf den Tisch: zu erwarten ist ein blasser, kurzer Wein mit tertiären Tönen und wenig Frucht.

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