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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1991

Bordeaux · 1991 · Stand 03.08.2026

Schwieriger Jahrgang68/100

Der Frost vom 20. auf den 21. April war der schwerste Frühjahrsfrost seit Jahrzehnten und kostete regionweit den Grossteil der Ernte; in Pomerol und Saint-Émilion fiel der Jahrgang praktisch aus. Viele Häuser füllten keinen Erstwein ab. Heute ist 1991 bis auf wenige Weine aus dem nördlichen Médoc über dem Zenit.

Das Jahr

Ein warmer Frühlingsbeginn trieb die Reben früh aus und liess sie ungeschützt. In der Nacht vom 20. auf den 21. April fiel die Temperatur gebietsweise auf nahezu minus zehn Grad. Ein Frühjahrsfrost dieser Schwere war seit Jahrzehnten nicht vorgekommen; regionweit fiel bis zu rund siebzig Prozent der möglichen Ernte aus. Am härtesten traf es das rechte Ufer, wo einzelne Betriebe in Pomerol und Saint-Émilion achtzig bis hundert Prozent verloren. In Margaux war der Verlust besonders gross, und selbst Saint-Estèphe als am wenigsten betroffene Gemeinde des linken Ufers büsste rund sechzig Prozent ein. Die Lagen unmittelbar an der Gironde kamen dank der ausgleichenden Wirkung des Wassers besser durch. Die Reben trieben ein zweites Mal aus, doch dieser Nachtrieb kam zu spät und holte den Rückstand nie auf. Der Sommer war überwiegend warm und trocken; Ende August brachten Regen und feuchte Luft Graufäule. Ab dem 25. September fiel anhaltend schwerer Regen, im Oktober noch stärker. 1991 gilt als das zweitkühlste Vegetationsjahr der Aufzeichnungen.

Die Ernte

Gelesen wurde ab Ende September, unter Regen und in denkbar schlechter Stimmung. Was hereinkam, war der späte Nachtrieb: uneinheitlich, unfertig in den Tanninen, teils faul. Nur wer streng aussortierte, brachte überhaupt Trinkbares in den Keller. Zahlreiche Häuser auf beiden Ufern verzichteten darauf, einen Erstwein abzufüllen.

Die Weine

Die Weine sind dünn, grün und kurz. Anders als in den meisten Jahren liegt das linke Ufer klar vor dem rechten, und zwar nicht weil es dort gut geriet, sondern weil in Pomerol und Saint-Émilion fast nichts blieb. Aus dem nördlichen Médoc kamen einige mitteldichte, überraschend fleischige Weine von Betrieben, die konsequent selektierten; auch in Graves gab es trinkbare Flaschen und ansprechende Weissweine. Entscheidend war weniger die Lage als die Frage, wie viel vom ersten Austrieb überhaupt überlebt hatte.

Heute im Glas

Über dreissig Jahre später ist 1991 mit ganz wenigen Ausnahmen über dem Zenit. Was noch Freude macht, sind einzelne streng selektierte Weine aus dem nördlichen Médoc. Weine des rechten Ufers und einfachere Gewächse sind praktisch durchgehend erschöpft. Bei einer Flasche aus diesem Jahr sagen Füllstand, Kapsel und Lagergeschichte mehr über den Inhalt als das Etikett.

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