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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1989

Bordeaux · 1989 · Stand 03.08.2026

Ausnahmejahrgang95/100

Der heisseste Vegetationsverlauf seit 1893 und eine der frühesten Lesen der Geschichte. Reiche, fleischige, weich gebaute Weine mit tiefer Säure — grandios in Pomerol, uneinheitlich am linken Ufer.

Das Jahr

Auf einen sehr milden Winter folgte ein früher Austrieb im März und ein nasser April. Ab Mai wurde es warm und trocken, und die Vegetation schoss davon, rund drei Wochen vor dem Fahrplan. Die Blüte war früh und gleichmässig, der Behang gross, die Beerenhäute dank Sonne und Wärme dick. Juni, Juli und August waren heiss, sonnig und trocken: der heisseste Vegetationsverlauf seit 1893. Einen vergleichbaren Sommer hatte in Bordeaux niemand mehr erlebt.

Die Ernte

Die Lese war eine der frühesten der Geschichte. Der erste Merlot kam Ende August herein, die Mehrheit der Güter begann in der ersten Septemberwoche; einzelne Betriebe waren erst Mitte Oktober fertig. Regen um die Septembermitte traf vor allem das rechte Ufer und den südlichen Médoc. Bei diesen Zuckergraden war die leichte Verdünnung weniger ein Problem als die Nervosität, die sie auslöste: Mancher las den Cabernet, sobald der Zucker stimmte, aber bevor Tannine und Aromen reif waren. Das erklärt zusammen mit zu hohen Erträgen die grünen, kauigen Kanten der schwächeren Weine.

Die Weine

Die gelungenen 1989er sind reich, opulent und fleischig, mit 13 bis 14 Volumenprozent Alkohol, in einzelnen Merlot-Partien nahe fünfzehn, dazu tiefe Säure und hohe pH-Werte, Zahlen, die es in Bordeaux vorher nicht gegeben hatte. Unter dem Fleisch liegt bei den Besten ein festes Tanningerüst; verführerisch waren sie von Anfang an.

Pomerol ist die erfolgreichste Appellation, Saint-Émilion folgt mit Abstand. Am linken Ufer zerfällt das Bild: einzelne Höhepunkte im nördlichen Médoc, und Margaux fällt klar ab. Uneinheitlichkeit ist die Signatur dieses Jahrgangs. 1989 ist ein Jahr einzelner Gipfel, kein flächig grosses Jahr, und darin unterscheidet es sich vom folgenden, das auf beiden Ufern gleichmässig ausfiel. In Sauternes und Barsac setzte die Edelfäule nach Regen Mitte Oktober spät ein: weniger konzentriert als im Vorjahr, aber mit mehr Spannung und Zug.

Heute im Glas

1989 ist reif und zeigt sich derzeit von seiner besten Seite. Die Spitzenweine zeigen dichte, süsse, mehrschichtige Frucht in samtiger Tanninfassung und stehen erstaunlich stabil, obwohl ihre Analysewerte eine kurze Haltbarkeit erwarten liessen; nur wenige verlangen noch Zeit. Die weiche Säure macht den Jahrgang zugänglich und gleichzeitig empfindlich gegenüber schlechter Lagerung. Herkunft und Füllstand einer Flasche wiegen hier schwerer als bei strengeren Jahren.

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