Bordeaux 1987
Bordeaux · 1987 · Stand 03.08.2026
80/100
Ein hoffnungsvoller Spätsommer, zerstört von zwei Regenwochen ab dem 1. Oktober. Die Trauben waren reif, aber verwässert — dünne, weiche Weine, deren Zeit längst vorbei ist.
Das Jahr
Der Jahresbeginn war kalt und nass, der Austrieb entsprechend spät. Regen Anfang Juni störte die Blüte; die Folge waren geringere Erträge und ungleich entwickelte Beeren innerhalb derselben Traube, lästig, aber nicht zwingend ein Qualitätsproblem. Dann besserte sich die Lage: Der Juli wurde warm und sonnig, August und September heiss und trocken, die trockenste und heisseste Phase seit 1967. Bis Ende September stand ein guter Jahrgang in Aussicht.
Die Ernte
Die weissen Sorten kamen ohne Zwischenfall herein. Für die roten war die Lese auf Anfang Oktober angesetzt, und genau dann öffnete sich der Himmel. Es regnete während fast der gesamten Merlot- und Cabernet-Lese, rund zwei Wochen lang, und die Trauben wurden bei kaltem, nassem Wetter geholt. Das Bittere an 1987 ist, dass die Reife im Grunde erreicht war: Verloren ging nicht die Reife, sondern die Konzentration.
Die Weine
Was blieb, sind dünne, verwässerte, weich gebaute Bordeaux mit knapper Substanz. Die besten waren in ihrer Jugend durchaus gefällig, zart, duftig und unkompliziert, hatten aber weder Struktur noch Dichte, um mehr als zehn bis fünfzehn Jahre zu tragen. Zum Reifen war der Jahrgang nie gedacht.
Ein echtes Ufer-Gefälle gibt es nicht, wohl aber ein Gefälle der Appellationen: Graves und Pomerol kamen am wenigsten schlecht weg, Saint-Émilion und Margaux stehen am Ende der Reihe. Trockener Weisswein war in diesem Jahr die eigentliche Stärke der Region. In Sauternes und Barsac wirkten Nässe und Wärme dagegen verheerend: Statt Edelfäule breitete sich Graufäule aus und vernichtete den Grossteil der Ernte; mehrere Güter füllten überhaupt nichts ab.
Heute im Glas
1987 ist über dem Zenit. Die Weine sind blass, kurz und mager geworden, oft mit trockenem, herbem Abgang. Es gibt nichts abzuwarten und nichts zu gewinnen. Wer eine Flasche besitzt, öffnet sie am besten ohne grosse Erwartung, als Blick in ein schwieriges Jahr.