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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1986

Bordeaux · 1986 · Stand 03.08.2026

Grosser Jahrgang90/100

Ein Tannin-Jahrgang: Hitze und Trockenheit formten kleine, dickschalige Cabernet-Beeren, ein Unwetter im September verwässerte Graves und rechtes Ufer. Am linken Ufer streng, langlebig und teils noch verschlossen.

Das Jahr

Der Austrieb kam spät, die Blüte verlief normal. Danach übernahm die Trockenheit: Der Sommer war heiss, sonnig und sehr niederschlagsarm. Die Beeren blieben klein und dickschalig, beim Cabernet Sauvignon die Voraussetzung für hohe Extraktwerte. In der Reifephase begannen die Stöcke unter dem Wassermangel zu leiden; im September stand die Reifung vielerorts still und drohte abzubrechen. Der milde Regen um die Monatsmitte war deshalb ausdrücklich willkommen, besonders im Médoc, wo der Cabernet den letzten Schub brauchte.

Die Ernte

In der dritten Septemberwoche schlug das Wetter um. Ein schweres Unwetter, dessen Zentrum über der Stadt Bordeaux, über den Graves und dem rechten Ufer lag, setzte Teile der Stadt unter Wasser und blähte die Merlot-Beeren auf. Wer unmittelbar danach las, brachte aufgequollene, verdünnte Trauben ein. Wer wartete, bekam Recht: Ab dem 23. September folgten rund drei Wochen heisses, sonniges und windiges Wetter, ideal für Reben und Leseteams.

Die Menge war enorm, in der Region mindestens fünfzehn Prozent grösser als im ohnehin reichen Vorjahr. Im Graves und am rechten Ufer, wo die Niederschläge die Beeren aufblähten, lag die Produktion sogar über der von 1985 und 1982; im Médoc blieb sie etwa im Mittel.

Die Weine

1986 ist ein strenger, altmodischer Jahrgang: Kraft, Struktur, Konzentration und sehr viel festes Tannin, dazu wenig Nachgiebigkeit. Die besten Weine gehören zu den verschlossensten und langlebigsten der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. In der zweiten Reihe ist die Frucht über die Jahrzehnte gewichen, während das Tannin geblieben ist; dort steht Härte ohne Fleisch.

Das Gefälle folgt klar dem Wetter. Das linke Ufer, allen voran Pauillac und Saint-Julien, blieb vor der Lese trocken und liegt deutlich vorn; Graves, Pomerol und Saint-Émilion tragen die Handschrift des Unwetters. In Sauternes und Barsac dagegen war es ein herausragendes Jahr: Der Oktober brachte gleichmässige Edelfäule, die stärksten Weine stammen aus den späten Novemberdurchgängen.

Heute im Glas

Ein Jahrgang für Geduldige. Die grossen Cabernet-Weine des Médoc lösen sich erst jetzt aus ihrem Panzer und zeigen darunter Zedernholz, schwarze Johannisbeere und Graphit über noch immer griffigem Tannin; sie haben Zeit. Alles darunter sollte getrunken werden, solange noch Frucht gegen die Struktur steht. Wer Charme und Weichheit sucht, ist in einem anderen Jahr besser bedient.

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