Bordeaux 1973
Bordeaux · 1973 · Stand 03.08.2026
66/100
Grosse Menge, kleine Qualität: ein kühler, nasser Sommer und ein verregneter August ergaben helle, verwässerte Weine. Nur 1979 brachte im Jahrzehnt noch mehr Wein hervor. Als Trinkwein ist der Jahrgang seit langem erschöpft.
Das Jahr
1973 war ein kühles, nasses Jahr. Der Sommer brachte nicht die Wärme, die Cabernet und Merlot für eine vollständige Reife brauchen, und der August verstärkte das Problem mit anhaltendem Regen. Die Reben hatten reichlich Wasser zur Verfügung, und die Beeren nahmen es auf: Sie legten an Volumen zu, ohne an Zucker, Farbstoff und Tannin zu gewinnen.
Die Ernte
Die Menge fiel gross aus — im ganzen Jahrzehnt brachte nur 1979 noch mehr Wein hervor —, die Qualität blieb weit dahinter zurück. Erschwerend kam hinzu, dass der Absatz nach dem Einbruch des Vorjahrs stillstand. Vielen Betrieben fehlten die Mittel für die Arbeit, die ein schwieriges Jahr im Rebberg und im Keller verlangt; ein Teil richtete sich früh auf den nächsten Jahrgang aus.
Die Weine
Herausgekommen sind helle, dünne Weine mit weichem Gerüst und kurzem Nachhall. Sie waren als früh zu trinkende Flaschen gedacht und wurden auch so verkauft. Ein solcher Stil verträgt keine langen Jahre: Wo von Beginn an wenig Extrakt vorhanden ist, entsteht mit der Zeit keine Tiefe, sondern nur Verlust. Grosse Menge und schwache Substanz sind dabei kein Zufall, sondern dasselbe Ereignis von zwei Seiten betrachtet — der Regen, der die Ernte gross machte, nahm ihr die Dichte.
Kein Ufer und keine Appellation trat aus diesem Bild heraus. Ein kühler, nasser Sommer benachteiligt den spät reifenden Cabernet Sauvignon und den früher reifenden Merlot auf unterschiedliche Weise, aber in diesem Jahr traf es beide.
Heute im Glas
Der Jahrgang ist abgeschlossen. Was heute noch in Flaschen liegt, ist hell, mürbe und von tertiären, erdigen Noten bestimmt; die Frucht ist seit Jahrzehnten fort. 1973 hat als Erinnerungsflasche zu einem Geburts- oder Hochzeitsjahr seinen Platz, als Wein für einen Abend nicht mehr. Wer eine öffnet, tut es besser ohne langes Belüften und mit nüchternen Erwartungen. Weil das Jahr so viel Wein hervorbrachte, tauchen die Flaschen bis heute regelmässig auf — das macht sie nicht besser, nur häufiger.