Bordeaux 1969
Bordeaux · 1969 · Stand 03.08.2026
60/100
Kühler Frühling, ordentlicher Sommer, dann zwei Regenwochen im September und am Ende eine sehr kleine Ernte. Die Rotweine kamen trocken, kurz und säurebetont in die Flasche und wurden mit der Zeit nicht besser. Der letzte Tiefpunkt vor 1970.
Das Jahr
Auf einen unauffälligen Winter folgte ein schlechter Frühling, und der Juni blieb kühl. Juli und August drehten das Jahr: Die Temperaturen stiegen, die Sonnenstunden waren annehmbar, und die Reife kam in Gang. Die erste Septemberhälfte machte diesen Fortschritt zunichte. Es regnete rund zwei Wochen anhaltend, und Graufäule wurde zum Thema. Danach kehrte warmes, sonniges Wetter zurück und hielt bis in die Lese.
Die Ernte
Gelesen wurde erst im frühen Oktober, und zwar unter guten Bedingungen. Die Menge war sehr klein. Anders als 1971, wo ein kleiner Ertrag Konzentration brachte, half die geringe Menge hier nicht: Das Wasser aus dem September steckte bereits in den Beeren, und die trockene Schlussphase reichte nicht, um daraus einen dichten Wein zu machen. Ein kleiner Ertrag ist eben nur dann ein Vorteil, wenn er aus wenigen guten und nicht aus wenigen schlechten Beeren besteht.
Die Weine
Der überwiegende Teil der Rotweine enttäuschte von Anfang an: hart, kurz im Abgang, von der Säure getragen und ohne Fleisch. Über die Region hinweg blieb der Jahrgang unter dem Durchschnitt, und selbst die sorgfältigsten Betriebe brachten kaum mehr als mittlere Qualität zustande. Eine Ufer-Trennung wie 1964 gibt der Jahrgang nicht her. Die Ausnahmen sind einzelne Güter und keine Appellationen, und sie stehen am rechten Ufer, in Pomerol. Gegenüber 1968 ist 1969 ein Schritt nach oben, was allerdings mehr über 1968 sagt als über 1969.
Heute im Glas
Der Jahrgang war bei der Auslieferung schwach und hat sich seither weiter verschlechtert. Er beschliesst eine Serie von drei schwierigen Jahren und ist der letzte Tiefpunkt, bevor 1970 den Schnitt macht. Heute ist praktisch alles über dem Zenit. Geduld hilft hier nicht weiter: Was 1969 nicht in die Flasche kam, holt kein Keller nach.