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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1948

Bordeaux · 1948 · Stand 03.08.2026

Klassischer Jahrgang88/100

Ein kalter, nasser Juni verdarb die Blüte, dann rettete ein warmer Sommer mit makellosem September den Jahrgang. 1948 wurde streng und tanninreich und brauchte lange. Dass er der unauffälligste der vier Nachkriegsjahrgänge blieb, liegt an den Nachbarn 1947 und 1949, nicht an fehlender Qualität.

Das Jahr

Zum vierten Mal in Folge lag über Bordeaux ein warmer, trockener Sommer — aber 1948 begann schlecht. Der Juni war kalt und nass, die Blüte zog sich hin und verlief ungleich, was den Behang von Beginn an dezimierte und für uneinheitliche Reife innerhalb derselben Parzelle sorgte. Ab Juli drehte das Wetter: sonnig, warm und regenfrei, mit einer Spitze um 34 Grad am 20. Der August blieb in derselben Spur und kam am 1. und 6. auf rund 30 Grad. Entscheidend war dann der September, der wie in den anderen Nachkriegsjahren makellos ausfiel. Die Nächte kühlten mehrfach auf 3 Grad ab, die wärmsten Tage kamen erst am Monatsende.

Die Ernte

Die Lese startete am 15. September und brachte die kleinste Menge der vier grossen Nachkriegsjahrgänge ein — die Folge der verdorbenen Blüte. Was hereinkam, war gesund und phenolisch reif; die kühlen Nächte des Septembers hatten die Säure erhalten. Beachtung fand der Jahrgang dafür nicht: Die Nachkriegswirtschaft hatte sich noch nicht erholt, und ein vierter grosser Bordeaux-Jahrgang in Folge fand bei seinem Erscheinen kaum Abnehmer.

Die Weine

1948 ist der strengste der Reihe. Die Weine kamen tanninbetont und verschlossen auf die Flasche, ohne die Fülle von 1947 und ohne die Wucht von 1945; ihr Ruf ist über Jahrzehnte gewachsen, nicht bei der Präsentation entstanden. Ungewöhnlich für ein Jahr dieser Machart: Beide Ufer gelangen. Im Médoc setzte Pauillac den Massstab, mit einem Wein, der als der beste des linken Ufers gilt; in Pomerol entstanden Weine, die die Güter selbst zu ihren grossen Jahrgängen zählen. Die Struktur belohnte die besten Terroirs stärker als anderswo — wo die Reife nicht ganz reichte, blieb das Tannin trocken stehen.

Heute im Glas

1948 ist heute vollständig tertiär: Leder, Tabak, Unterholz, süsse Gewürze, kandierte Frucht. Die einst harten Tannine haben sich gelegt und geben den Blick auf einen geraden, schmalen Kern frei; von den vier Nachkriegsjahrgängen ist es der am wenigsten besprochene. Wie eine Flasche gelegen hat, entscheidet hier mehr über den Abend als der Name auf dem Etikett. Zeit zum Warten hat der Jahrgang nicht mehr: stehend akklimatisieren, behutsam öffnen, dann im Glas beobachten statt lange lüften.

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