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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1949

Bordeaux · 1949 · Stand 03.08.2026

Ausnahmejahrgang96/100

Die trockenste Vegetationsperiode seit Jahrzehnten, dazu eine kalte, verregnete Blüte, die die Menge klein hielt. 1949 schliesst die Nachkriegsserie ab — reifer als 1948, straffer und säurebetonter als 1947, und der einzige der vier, der beide Ufer gleichmässig trägt.

Das Jahr

Januar und Februar blieben vollständig trocken, und die Trockenheit hielt bis in den Herbst — 1949 gilt als das dürrste Jahr, das Bordeaux seit dem 19. Jahrhundert erlebt hat. Die Blüte fiel dagegen in kalte, regnerische Tage und setzte damit die Obergrenze für die Menge. Dann kam die Hitze: Der Juli erreichte am 11. rund 37 Grad, lag im Monatsmittel bei 23 Grad und kühlte nachts auf 8 Grad ab. Der August blieb geringfügig kühler mit 34 Grad am letzten Tag, der September setzte die Serie warmer, sonniger, regenfreier Tage fort und brachte am 4. noch 36 Grad. Wie hart die Dürre war, zeigte sich nicht nur im Rebberg: Im August brannten die Kiefernwälder der Landes auf über 50'000 Hektaren, mit mehr als achtzig Toten.

Die Ernte

Die Lese begann in der zweiten Septemberhälfte, je nach Gut zwischen dem 22. und dem 27., unter heissen und trockenen Bedingungen. Die Menge blieb wegen der Blüte verhalten, was die Aromen weiter verdichtete. Anders als 1947 kam das Traubengut nicht überzuckert in den Keller: Die Dürre hatte die Reife zwischenzeitlich blockiert, und die Weine behielten mehr Säure als die drei Vorgängerjahre.

Die Weine

Diese Säure ist das Merkmal des Jahrgangs. 1949 hat weniger Fülle als 1947 und weniger Masse als 1945, dafür ein Rückgrat, das die Weine gerade hält und ihnen ungewöhnlich lange Frische mitgegeben hat — mehrere gelten als die besten Flaschen, die ihre Güter im 20. Jahrhundert gemacht haben. Bemerkenswert ist die Gleichmässigkeit. Im Médoc gelangen Pauillac, Saint-Julien und Margaux, in Graves entstanden Weine von historischem Rang, und am rechten Ufer traf es Pomerol und Saint-Émilion in derselben Höhe. Ein Jahrgang ohne Uferfrage also — das unterscheidet ihn von 1947, dessen Ruf fast ausschliesslich rechts hängt, und von 1945, das nach links kippte.

Heute im Glas

1949 zeigt, was Säure für ein Leben von mehr als 75 Jahren bedeutet. Gut gelagerte Flaschen wirken heute klarer und lebendiger als manches jüngere Jahr; die Frucht ist zu Dörrkirsche und kandierter Orange geworden, darüber liegen Zedernholz, Tabak und feuchte Erde, und der Abgang bleibt trocken statt breit. Der Jahrgang ist am Ende seiner Reifezeit, aber nicht darüber hinaus — gute Flaschen halten sich, verbessern sich jedoch nicht mehr. Wer eine besitzt, sucht besser einen Anlass als ein weiteres Jahr Geduld.

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