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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1947

Bordeaux · 1947 · Stand 03.08.2026

Ausnahmejahrgang95/100

Ein tropisch heisser, regenloser Sommer trieb Zucker und Alkohol auf nie gesehene Werte. 1947 ist der Jahrgang des rechten Ufers: legendäre, fast portartige Pomerols und Saint-Émilions — im Médoc dagegen viele Weine, die die schwierige Gärung nie ganz verkraftet haben.

Das Jahr

1947 war von Anfang bis Ende heiss und trocken. Der Juli lieferte das Ideal: Tagesmittel um 21 Grad, kühle Nächte um 9 Grad und einzelne Spitzen über 38 Grad am 26. und 27. Der August kannte keinen Regen, lag im Mittel bei 22 Grad und brachte am 1. in Saint-Émilion 40 Grad. Im September wurde es tropisch. Vielen Rebbergen ging das Wasser aus, die Reife blockierte stellenweise, und der ganze Monat blieb heiss, sonnig und niederschlagsfrei, mit Spitzen um 31 Grad. Erst Ende Oktober kam die Abkühlung; da war der Wein schon im Fass.

Die Ernte

Offiziell begann die Lese am 15. September, gut zwei Wochen früher als gewohnt — in Saint-Émilion zu diesem Datum, im Médoc erst gegen den 25. Anders als 1945 war die Menge gross: rund 2,7 Millionen Hektoliter, etwa das Doppelte des Frostjahrs, weil die Weinberge nach Kriegsende wieder in Pflege gekommen waren. Geerntet wurde unter voller Sonne, und genau das wurde zum Problem: Die Moste kamen mit Zuckerwerten in den Keller, wie sie in Bordeaux niemand gesehen hatte, und es gab keine Kühltechnik. Manche Güter liessen Eisblöcke aus der Stadt anfahren, um die Gärung zu bremsen.

Die Weine

Der Jahrgang brachte Fülle, Süsse und Alkohol in einem Ausmass, das Zeitgenossen an Portwein erinnerte. Er brachte auch flüchtige Säure — bei Gärtemperaturen ohne Kontrolle liess sie sich kaum vermeiden, und sie hat viele Weine dauerhaft gezeichnet. Wer sie im Griff hielt, machte Unsterbliches. Das gelang vor allem am rechten Ufer: Die tonreichen Böden des Pomerol-Plateaus hielten in der Dürre Wasser, der früh reifende Merlot kam mit der Hitze zurecht, und aus Pomerol und Saint-Émilion stammen die Weine, die den Ruf des Jahres tragen — einer davon, mit 14,4 Volumenprozent und nicht ganz durchgegoren, gilt vielen als der beste Rotwein des Jahrhunderts. Im Médoc war es uneinheitlich; nur einzelne Güter in Margaux und Pauillac erreichten dieses Niveau, und in Graves blieb der Jahrgang unter seinen Möglichkeiten. Sauternes und Barsac gelangen dagegen fast durchwegs.

Heute im Glas

Kein anderer Jahrgang dieser Jahre streut so weit wie 1947. Die Spitzen des rechten Ufers wirken dicht, süss und beinahe unwirklich frisch; Weine mit erhöhter flüchtiger Säure sind heute umgekippt oder riechen scharf nach Lack. Die Reife ist damit weniger eine Frage der Jahre als der Herkunft und der Lagerung. Bei einer guten Flasche zeigen sich Trüffel, Dörrpflaume, Leder und Tabak in ungewöhnlicher Dichte — vorsichtig karaffieren und aus dem ersten Glas urteilen.

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