
Jahrgang 1963
Frankreich·Bordeaux·Pomerol
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Bordeaux 1963
Ein verregneter Jahrgang ohne Rettung: Auf einen normalen Frühling folgten ein schlechter Juli, ein ausserordentlich nasser August und ein kühler September. Fäulnis im Lesegut, dünne und säurebetonte Weine, beide Ufer gleich hart getroffen. Heute durchwegs über dem Zenit.
Petrus liegt auf der höchsten Erhebung des Pomerol-Plateaus, auf rund vierzig Metern Höhe, was den Wasserabzug begünstigt. Unter einer dunklen, sechzig bis achtzig Zentimeter mächtigen Tonschicht liegt ein seltener Untergrund aus dichtem, blauem Ton, so hart, dass Rebwurzeln kaum tiefer eindringen. Dieser Ton speichert Wasser wie ein Schwamm und gibt es den Reben auch in trockenen Sommern langsam wieder frei. Eine solche Bodenformation ist sonst nirgends bekannt; das rund elf Hektar grosse Gut, aufgeteilt in zwölf Parzellen, liegt vollständig auf dieser Scholle. Angebaut wird seit Ende 2010 ausschliesslich Merlot; früher kam ein kleiner, später ersetzter Anteil Cabernet Franc dazu. Die Geschichte reicht bis ins ausgehende 18. Jahrhundert zurück, als das Gut an die Familie Arnaud überging, die es 1770 erwarb; einzelne Jahrgänge jener Zeit trugen noch die Bezeichnung Petrus-Arnaud. 1917 musste die Familie verkaufen, und mit der Société Civile du Château Pétrus entstand eine Gesellschaft in Anteilsform. In den folgenden Jahrzehnten erwarb Madame Loubat, Besitzerin eines Hotels im nahen Libourne, nach und nach die Anteile und wurde 1945 alleinige Eigentümerin. Im selben Jahr übertrug sie dem Négociant-Haus Jean-Pierre Moueix aus Libourne den Alleinverkauf ihres Weins – der Beginn einer Partnerschaft, die Petrus bis heute prägt. Nach dem Tod von Madame Loubat 1961 ging das Gut an eine Nichte und einen Neffen über, ehe Jean-Pierre Moueix 1964 die verbliebenen Anteile erwarb. Im selben Jahr begann Jean-Claude Berrouet als Kellermeister, eine Aufgabe, die er 45 Jahrgänge lang ausübte. 1969 kaufte das Haus Moueix fünf Hektar Rebfläche vom benachbarten Gut Gazin dazu und vergrösserte Petrus damit von sieben auf die heutigen rund elf Hektar. Ab 1978 übernahm Christian Moueix, Jean-Pierres jüngerer Sohn, zunehmend Verantwortung im Gut und im Négoce-Haus. Nach dessen Tod 2003 führte der ältere Sohn Jean-François Moueix das Gut als Eigentümer weiter, während sich Christian um die Erzeugung kümmerte. 2008 übergab Berrouet die Kellermeisterschaft an seinen Sohn Olivier, der seither Rebberg und Ausbau verantwortet. 2018 wurde bekannt, dass ein Fünftel der Gesellschaftsanteile an einen kolumbianisch-amerikanischen Investor verkauft worden war; die Familie Moueix blieb Mehrheitseigentümerin und führt das Gut bis heute. Im Rebberg wird von Hand geerntet, Beere für Beere, über zwei bis drei Tage verteilt. Auf chemische Dünger verzichtete man schon früh, liess stattdessen Wildkräuter zwischen den Rebzeilen wachsen, die im Winter den Boden trockneten, ehe sie untergepflügt wurden. 1985 baute das Gut ein eigenes Klonprogramm auf, um bei Neupflanzungen auf selbst vermehrtes Pflanzgut zurückzugreifen. Im Keller erlauben zwölf Betonbottiche eine parzellenweise Vinifikation; nach dem biologischen Säureabbau im Bottich werden die für den Grand Vin bestimmten Partien zusammengestellt und zu rund der Hälfte in neuen französischen Barriques ausgebaut, für achtzehn bis zwanzig Monate. Einen Zweitwein gibt es nicht; was der Selektion nicht genügt, wird als einfacher Pomerol verkauft. So entstehen im Schnitt nur rund dreissigtausend Flaschen im Jahr, eine der knappsten Produktionen Bordeauxs. Vor allem die seltene blaue Tonschicht gibt den Trauben eine Tanninstruktur, die kräftig und zugleich aussergewöhnlich fein ist: das Merkmal, dem Petrus seinen Ruf als bedeutendster Wein von Pomerol verdankt, einer Appellation, die bis heute keine eigene Klassifikation kennt.