Bordeaux 2025
Bordeaux · 2025 · Stand 03.08.2026
Ein heisser, trockener Sommer, Regen zur richtigen Zeit Ende August und noch einmal eine kleinere Ernte als im Vorjahr. Aus dem Fass zeigt der Jahrgang Konzentration bei moderatem Alkohol und auffallender Frische — beurteilt ist er noch nicht.
Das Jahr
Ein milder Winter mit ausreichend Regen füllte die Wasserspeicher, Austrieb und Blüte kamen früh und verliefen gleichmässig. Der Starkregen über Ostern, um den 20. April, wurde später zum entscheidenden Vorrat. Von Mai bis August lag die Temperatur über dem Mittel, und der Sommer war heiss: mehrere Hitzewellen, in Pessac-Léognan im August 45,9 Grad, vielerorts drei Monate ohne Niederschlag. In der Zahl der Tage über fünfunddreissig Grad gehört 2025 mit 2022 und 2003 in dieselbe Reihe.
Gesundheitlich war es ein ruhiges Jahr: kein Frost, kein Hagel, kein Mehltau. Anfang bis Mitte August stellten einzelne Rebberge das Wachstum ein, die Beeren blieben winzig, der Zucker stieg. Dann kam der Regen der letzten Augusttage. Er kühlte, erfrischte die Reben, hielt den Alkohol im Rahmen und die Säure oben — ohne ihn wäre dies ein anderer Jahrgang geworden. Der September brachte weitere Niederschläge und war kühler als das Mittel.
Die Ernte
Sehr früh. Die trockenen Weissweine wurden ab Mitte August gelesen, die roten Trauben fast vollständig im September und ab dem Monatsbeginn: in Pomerol wurde am 4. September Merlot geholt, in Saint-Émilion am 17. September, in Saint-Estèphe am 18. September Cabernet Sauvignon. In Sauternes und Barsac begann die Lese Ende September, weil die Edelfäule früh und gleichmässig einsetzte.
Die Menge unterschreitet sogar das kleine Vorjahr: 290,6 Millionen Liter und 33,6 Hektoliter je Hektar, erneut die kleinste Ernte seit 1991. Der Grund liegt zum Teil im Vorjahr — nach der schwierigen Blüte 2024 trugen viele Reben von Anfang an weniger Trauben —, dazu kamen die kleinen Beeren der Trockenheit. In Saint-Julien lag der Ertrag siebenunddreissig Prozent unter dem Zwanzigjahresmittel, in Pomerol einunddreissig, in Margaux neunundzwanzig, in Pauillac siebenundzwanzig; Saint-Émilion und Saint-Estèphe kamen mit zehn und siebzehn Prozent besser weg. Böden mit Kalk und Ton hielten durch, Sandböden am wenigsten.
Die Weine
Was aus dem Fass zu sehen ist, ist ungewöhnlich für ein heisses Jahr: Konzentration, dichte Farbe und dickhäutige Frucht, dazu ein moderater Alkohol von häufig zwölfeinhalb bis dreizehneinhalb Prozent, ein tiefer pH und eine auffallende Frische. Das Tannin ist dicht, aber fein und poliert — Struktur ohne Strenge. Ein zweites 2022 ist dies nicht: es fehlt die Opulenz, dafür ist der Bau straffer und detaillierter.
Gleichmässig ist der Jahrgang nicht. Betriebe mit gutem Boden und ausreichenden Mitteln stehen weit vorn; einfachere Lagen taten sich mit der Trockenheit schwer und lasen zu früh oder zu spät, und Überextraktion ist sichtbar. Wie sich die Ufer zueinander verhalten, ist noch offen: am gleichmässigsten wirken bisher die Graves und Pessac-Léognan, gefolgt von Saint-Émilion, Pomerol, Saint-Julien und Pauillac, während anderswo das linke Ufer klar vor dem rechten steht. Für die trockenen Weissweine und die edelsüssen Weine war es ein sehr starkes Jahr.
Heute im Glas
Noch nichts. Der Jahrgang liegt im Fass, abgefüllt wird er erst, und alles, was heute darüber gesagt wird, ist ein Zwischenstand aus Fassproben. Dass er das Zeug zu einem grossen Jahr hat, zeichnet sich ab; wie gleichmässig er wirklich ist und wie er sich in der Flasche entwickelt, entscheidet sich in den nächsten zwei Jahren.