Bordeaux 1966
Bordeaux · 1966 · Stand 03.08.2026
86/100
Ein klassischer, streng gebauter Jahrgang: mässiger Sommer, dann ein sonniger, trockener September und eine Lese ohne Regen. Das linke Ufer mit seinem Cabernet Sauvignon liegt klar vorn. Die Weine waren lange hart und karg — und genau das hat sie alt werden lassen.
Das Jahr
Der Vegetationszyklus begann unspektakulär. Die Blüte lag im Juni etwas spät, ohne dass das ein Problem gewesen wäre. Juli und August brachten eine Mischung aus Sonne, Hitze und kühleren Abschnitten, in der sich die Trauben normal entwickelten — mehr solide als grosszügig. Gemacht hat den Jahrgang der September: Er war sonnig und trocken und gab den Beeren genau jene Reifespanne, die der Sommer schuldig geblieben war.
Die Ernte
Gelesen wurde bei gutem Wetter und ohne Regen, was in den sechziger Jahren die Ausnahme war und dem Jahrgang angerechnet werden muss. Der Lesebeginn lag je nach Betrieb und Sorte zwischen der dritten Septemberwoche und dem frühen Oktober. Die Erträge waren durchschnittlich, das Lesegut gesund. Es ist ein Jahr, in dem am Ende kein Wetterunglück korrigiert werden musste.
Die Weine
1966 ist das Musterbeispiel des alten Bordeaux-Stils: hohe Tannine, hohe Säure, wenig Fleisch dazwischen. In der Jugend traten die Weine kräftig und mit Charme auf, danach verschlossen sie sich für lange Zeit und wirkten hart, streng und spröde. Dieses Gerüst hat ihnen ein zweites Leben verschafft. Mit den Jahren sind die Tannine feiner geworden, und im Bouquet stehen heute Unterholz- und Waldbodennoten neben der verbliebenen Frucht.
Der Jahrgang gehört dem linken Ufer. Der Cabernet Sauvignon geriet auf den Kiesböden von Pauillac, Saint-Julien und Margaux besonders gut, und Graves zog mit; Pomerol und Saint-Émilion bleiben eine Stufe darunter. Auch bei den trockenen Weissweinen war Graves stark. Sauternes dagegen blieb schwach — für die Edelfäule fehlte die Feuchtigkeit.
Heute im Glas
Nach sechs Jahrzehnten ist ein Teil der Weine müde, und was noch lebt, wird nicht mehr besser. Doch der Jahrgang liefert mehr Überraschungen nach oben als seine Nachbarn. Wo die Flasche gut lag, steht ein schlanker, aufrechter, deutlich nach seinem Ort schmeckender Bordeaux im Glas — kein üppiger Wein, sondern ein präziser. Hinter 1961 hat 1966 seinen Platz in der ersten Reihe des Jahrzehnts. Jetzt gehört er getrunken und nicht weitergelegt.