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Jahrgangsbericht

Bordeaux 1951

Bordeaux · 1951 · Stand 03.08.2026

Schwieriger Jahrgang68/100

Kalt und nass von der Blüte bis in die Lese, ohne einen einzigen rettenden Monat. 1951 ist der Tiefpunkt der ersten Nachkriegsjahre: unreife, dünne, säuerliche Weine, die schon bei der Abfüllung nichts hergaben und heute durchwegs über dem Zenit sind.

Das Jahr

1951 hat keine gute Phase gehabt. Frühling, Sommer und Herbst waren kalt und feucht, und dem Jahr fehlte der eine warme Monat, der einen schwierigen Zyklus noch retten kann. Im Juni lag das Mittel bei rund 17 Grad; ein einzelner heisser Tag mit 33 Grad am 14. blieb die Ausnahme, die nichts änderte. Juli und August brachten mehr vom Gleichen, dazu Gewitter im Juli und einen ausgesprochen kühlen August. Auch der September blieb trüb, und der Oktober kam kaum über 21 Grad hinaus. Ohne Wärme erreichten die Trauben die volle Reife nicht.

Die Ernte

Die Lese begann offiziell am 9. Oktober, spät und in kühlem, nassem Wetter. Gewartet hatte man auf Wärme, die nicht mehr kam; das Einbringen war am Ende weniger eine Entscheidung als eine Bergung. Was in den Keller kam, hatte zu wenig Zucker und zu viel Säure: der Grundstoff, aus dem sich auch mit Können kein tragfähiger Wein machen lässt, schon gar nicht mit der Kellertechnik der frühen Fünfzigerjahre.

Die Weine

1951 wurde dünn, kurz und kantig. Die Farbe blieb blass, die Frucht krautig und stielig, die Säure stand frei, und das wenige Tannin war unreif statt strukturgebend. Schon als die Weine auf die Flasche kamen, war ihr Ruf verspielt, und die Jahrzehnte danach haben nichts hinzugefügt — ein hartes Urteil, dem bis heute niemand widerspricht. Eine Uferfrage stellt sich hier nicht: Weder brachte der früher reifende Merlot des rechten Ufers einen Vorteil, weil auch er die Reife nicht erreichte, noch retteten die Kiesböden des Médoc etwas. Kein Gut hat aus 1951 einen Wein gemacht, der heute noch genannt wird.

Heute im Glas

1951 ist ohne Einschränkung über dem Zenit und war es schon in den Fünfzigerjahren. Was heute noch existiert, ist Archivmaterial: braune Farbe, oxidative Aromen, dünner Körper, harte Säure. Der Jahrgang gehört zu den wenigen, bei denen auch eine tadellos gelagerte Flasche mit perfekter Füllhöhe nichts retten kann, weil die Substanz von Beginn an fehlte. Als Geburtsjahrgang oder Belegstück einer schwierigen Dekade hat er seinen Platz — als Trinkerlebnis nicht.

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